Johnossi und Kensington im Theater Augusta Raurica: Spätsommerabend in historischer Atmosphäre

In Reviews by indiespect

Augusta Raurica – Eine Konzertlocation der Extraklasse

Es gibt mittlerweile unzählige Open-Air-Festivals in der Schweiz. Immer wieder suchen sich die Veranstalter dabei spezielle Orte aus. So auch für den Sommer-Tourabschluss des schwedischen Indie-Rock-Duos Johnossi. Das Theater Augusta Raurica befindet sich in Augst, in der Nähe von Basel. Die alten römischen Gemäuer wurden im inneren Teil wieder so instand gesetzt, dass ein intaktes Amphitheater entstand. Nur schon beim Betreten der Anlage spürt man, dass etwas ganz Spezielles in der Luft liegt. An diesem perfekten Spätsommerabend können Musikliebhaber die Bands mit bester Sicht geniessen. Entweder man lässt sich auf einer der Treppenstufen nieder oder man steht im unteren Teil, direkt vor der Bühne. Die Stimmung ist fröhlich und entspannt. Es wird gegessen, getrunken und sogar Bücher werden in aller Ruhe gelesen. Es hätten locker noch mehr Besucher Platz gefunden, aber der sich dem Ende neigende Sommer hat bei einigen wahrscheinlich die Hausschuhe schon am Fuss anwachsen lassen. Denn niemand möchte noch ein weiteres nass-kaltes Openair-Konzert in der Saison 2017 erleben.

Die Mutigen wurden dafür mit dem schönsten Spätsommerabend des bisherigen Jahres belohnt. Die Temperaturen waren angenehm und der Himmel klarte mit jeder Stunde weiter auf. Vor oder sogar während den Konzerten konnte man sich direkt neben der Bühne mit leckeren Flammkuchen oder Würsten verpflegen. Überhaupt wirkte alles extrem familiär und gelassen.

Kensington im Theater Augusta Raurica

Kensington: Hymnen, Charme und Spass

Die holländische Band Kensington hat in den letzten Jahren schon so manche Bühne gesehen, aber auch sie merkten gleich zu Beginn ihres Auftritts an, wie speziell dieser Ort sei. Sie schienen genauso viel Spielfreude zu haben, als wenn sie vor einem riesigen Festivalpublikum spielen würden. Vielleicht sogar noch ein bisschen mehr. Immer wieder bedankten sie sich bei den enthusiastischen Fans in den vorderen Reihen und kommentierten Geschehnisse im Theater. Zum Beispiel amüsierten sie sich über zwei Personen, die während den Songs ein Buch lasen. Aber anstatt davon genervt zu sein, dass sie sich nicht auf ihre Kunst konzentrierten, fanden die Holländer nur lobende Worte. «Musik hören, sich weiterbilden und dabei Bier trinken. So soll es sein!», lautete das Statement von Kensington-Gitarrist Casper Starreveld. 

Nebst sympathischen Ansagen, machte die Band aber auch einfach richtig gute Musik. Zusammen mit der perfekten Akustik im Theater sorgten sie mit Songs wie Do I Ever oder Streets immer wieder für Gänsehaut-Momente. Gegen Ende wurde die Lautstärke leider etwas zu sehr aufgedreht, was nicht unbedingt nötig gewesen wäre. Aber nichtsdestotrotz lieferten Kensington über 70 Minuten eine tolle Performance hin und gewannen mit Sicherheit einige Herzen mehr dazu.

Moderne Musik trifft historische Gemäuer: Kensington geniessen ihren Auftritt im Theater Augusta Raurica sichtlich.

Sommerabschluss für Johnossi

Pünktlich um 21.20 Uhr ertönte das Intro von Johnossi. Die sich ständig wiederholenden Anfangsklänge der ersten Single vom aktuellen Album Blood Jungle erinnerte fast an den Einzug der Gladiatoren in die römische Arena. Mit Air is Free eröffneten sie das Set. Das Duo ist in den letzten Jahren zumindest bei den Live-Auftritten zu einem Trio angewachsen. Mathias Franzén unterstützt seit der Transitions-Tour im Jahr 2013 die beiden Freunde John Engelbert und Oskar «Ossi» Bonde am Keyboard.

Vom besagten Album von 2013 folgte als zweites Stück Gone Forever, welches stark von den zusätzlichen Keyboard-Klängen lebt. Im Vergleich zum prall gefüllten Volkshaus-Gig im März, hatte die letzte Johnossi-Show im Sommer 2017 schon fast einen intimen Charakter. Zwar bot die historische Kulisse viel Platz für eine grosse Menschenmenge, aber die Ränge waren auch nach dem Auftritt von Kensington an vielen Stellen leer geblieben. Falls es die Schweden störte, liessen sie es sich zumindest nicht anmerken. Und dem Besucher bot es die Möglichkeit, auch mal die Position zu wechseln. So konnte man sich nach Lust und Laune in den Bereich vor der Bühne begeben, um wild mitzutanzen oder man führte sich das Konzert von oben mit bester Aussicht zu Gemüte.

Die Lichtshow sorgte für spektakuläre Silhouetten beim Johnossi-Konzert.

Seit der Veröffentlichung von Blood Jungle im Februar 2017 waren die beiden Schweden unermüdlich auf Tour. Sei es bei den Clubshows im Frühjahr oder auf den Festivalbühnen. Der Auftritt im Theater Augusta Raurica markierte den Abschluss ihrer Sommer-Tour, bevor es im Winter wieder in den Clubs weitergeht. Zwischenzeitlich konnte man trotz gewohnter Live-Energie die Ermüdungserscheinungen des Duos spüren. Es schlichen sich einige Fehler in das Gitarren-Spiel von John Engelbert und auch Franzén am Keyboard vergriff sich hin und wieder in seinen Tasten. Es könnte jedoch auch sein, dass dies aufgrund der ausserordentlich guten Akustik stärker auffiel, als dies bei einer Clubshow der Fall ist.

Wie in alten Tagen. Das Duo steht auch immer mal wieder alleine auf der Bühne.

Bei den älteren Stücken verliess der dritte Mann die Bühne, um das Feld den beiden namensgebenden Musikern zu überlassen. Bei Execution Song, dem ältesten Johnossi-Stück überhaupt und Man Must Dance konnte sich der Zuschauer in die frühen Tage des Duos zurückversetzen. Damals waren Bonde und Engelbert immer zu zweit unterwegs gewesen. Die roheren und härteren Stücke gehören seit jeher genauso zu den Schweden, wie die komplexeren Kompositionen ihrer neuen Alben. Bisher schafften es Johnossi immer, sich mit jedem Album weiterzuentwickeln, ohne ihren unverkennbaren Stil zu verlieren.

Bei Freeman oder Hands durfte die Unterstützung des Keyboarders natürlich nicht mehr fehlen. Das Publikum in der römischen Kulisse wurde in Vollbesetzung in Tanzlaune versetzt. Während die Zuschauer auf den Rängen die Musik eher still genossen, wurde vor der Bühne ausgelassen aber friedlich gefeiert. Manchem Ehepaar im fortgeschrittenen Alter schienen Johnossi gar etwas zu wild zu sein. Vereinzelt verliessen sie deshalb sogar vorzeitig das Konzert.

Johnossi: Eingehüllt in Licht und Nebel

Mit What’s The Point und Reasco verabschiedeten sich Johnossi gebührend vom Sommer. Noch ein letztes Mal wurde trotz kälter werdenden Temperaturen vom richtig geschwitzt, gesungen und getanzt. Leider liessen sich die Schweden trotz der anhaltenden Zugabe-Rufen nicht noch einmal auf die Bühne locken. Hier kamen wahrscheinlich auch die gesetzlichen Ruhebestimmungen zum Tragen. Zwar war die Spielzeit von 70 Minuten bereits vor dem Auftritt klar definiert gewesen, aber erst jetzt merkte man, welche Stücke einem dadurch entgingen. So fehlte das grandiose Weak Spots oder Klassiker wie 18 Karat Gold und Party With My Pain. Diese wird es bei der nächsten Club-Show aber bestimmt wieder zu hören geben.

Wunderschöne Stimmung im Theater Augusta Raurica

Fazit

Zwar hätte es etwas mehr Besucher haben dürfen, was vor allem Johnossi noch zu Höchstleistungen getrieben hätte, doch der Konzertabend im Theater Augusta Raurica war ein herrlicher Abschluss des Sommers. Zusammen mit Kensington boten die Schweden den Zuschauern einen tollen Konzertabend bei schönstem Wetter. Manches Festival im Sommer hätte sich solche Wetterverhältnisse gewünscht. Die Location war einfach traumhaft und passte perfekt. Die Bands haben sich jetzt definitiv eine Ruhepause verdient, um im Winter wieder voller Energie zurückzukehren.

Weitere Fotos
Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Tumblr