Shout Out Louds im Interview:
«Ease My Mind»-Tour im Salzhaus Winterthur

In Interviews by indiespect

Vor ihrem einzigen Konzert in der Schweiz auf ihrer «Ease my mind»-Tour hatte ich die Möglichkeit mich mit Sänger Adam Olenius und Gitarrist Carl von Arbin von Shout Out Louds zu unterhalten. Sie sprachen über ihr neues Album, das Tourleben und die Gründe weshalb es länger als erwartet dauerte, bis sie ihr fünftes Album fertiggestellt hatten.

Indiespect: Wir trafen uns zum letzten Mal vor drei Jahren am poolbar festival in Feldkirch. Damals meintet ihr, dass ihr versuchen werdet, euer nächstes Album in zwei Jahren oder schneller zu veröffentlichen. Jetzt hat es ein Jahr länger gedauert. Ihr alle hattet in der Zwischenzeit eigene Projekte. Gab es einen Punkt, an dem ihr gesagt habt: «Leute, lasst uns endlich mit diesem Album beginnen.»?

Adam Olenuis: Etwa ein Jahr nach diesem Festival haben wir uns immer am Dienstagabend verabredet. Wir haben damals begonnen und wieder im Bandraum zu treffen. Aber zu dieser Zeit war es eher ein gemeinsames Abhängen. Vorher waren alle oft am Reisen.

Carl von Arbin: Es war ein guter Weg, um wieder eine gewisse Kontinuität zu bekommen.

Adam: Aber ich erinnere mich. Ich hatte bereits von 2014 Ideen aus dem Proberaum.

Carl: Ja, einige Ideen sind wirklich alt. Zu Beginn haben wir einfach etwas rumgespielt und Spass gehabt. Manchmal hatten nicht alle von uns Zeit, also haben sich einfach diejenigen getroffen, die gerade da waren. Es war eher so, wie wenn du als Kind eine Band gründest. Man trifft sich jeden Dienstagabend. Es war beinahe wieder wie ein Hobby. Am Mittwoch spielst du Fussball, am Dienstag hast du Bandprobe und so weiter.

Adam: Nach ungefähr einem Jahr dachten wir, dass wir ein Studio buchen sollten. Danach schrieben wir vier Songs. Das war ungefähr vor eineinhalb Jahren. Wir gingen in dasselbe Studio und arbeiteten mit dem selben Produzenten wie bei Optica. Er ist ein toller Typ, es ist wirklich nichts verkehrt an ihm. Aber wir fühlten uns, als würden wir wieder am gleichen Ort beginnen. Der Vibe stimmte einfach nicht.

Carl: Es ging einfach genau so weiter wie bei Optica. Und wir wollten etwas Neues machen.

Adam: Auch wenn wir den Produzenten lieben, müssen wir bei jedem Album etwas Frisches haben. Wir sind vier alte Freunde und deshalb brauchen wir Dinge, die uns bei jeder Platte neue Energie bringen. Aber um endlich deine Frage zu beantworten. Als wir uns endlich für die Songs entschieden hatten, ging alles sehr schnell. Wir nahmen das ganze Album in wenigen Monaten auf. Wir fanden einen Produzenten namens Frederik Swahn. Er gab uns extrem viel Energie und liess uns sehr schnell arbeiten. Wir gingen aufs Land und schrieben für zwei Tage an Songs, danach buchten wir für eine Woche ein Studio. So ging es hin und her. Die meisten Songs schrieben wir in einem Landhaus. Und einige Ideen entstanden in meinem Studio, welches sich ganz in der Nähe von unserem Proberaum befindet.

Sie teilen sich seit 16 Jahren die Bühne. Adam Olenius und Carl von Arbin.

Wir touren nicht im Winter.Carl von Albin, Shout Out Louds

Indiespect: Ich war überrascht, als ihr auf Facebook offenbart habt, dass «Paola» der tatsächliche Name von Bebban ist und der entsprechende Song von ihr handelt. Ich musste sofort nachschauen, ob das wirklich wahr ist. Aber es scheint wirklich so zu sein. Wie kann es möglich sein, dass ich noch nie davon gehört habe?

Carl: Ich denke sogar viele unserer neueren Freunde wissen das nicht.

Indiespect: Woher kommt denn der Spitzname «Bebban»?

Carl: Ihre Eltern konnten sich damals nicht für einen Namen entscheiden, als nannten sie sie einfach das Baby. In Schwedisch ist das bebi. Und von dort kamen sie zu Bebban. Das blieb hängen, selbst als sie ihren Namen bereits hatte.

Adam: Es ist nicht so, dass wir das absichtlich geheim hielten. Wir nennen sie einfach immer Bebban. Ich nenne sie niemals Paola. Nur wenn wir Flugtickets buchen müssen, fällt ihr Name. Also weiss es praktisch nur die Grenzkontrolle und die Regierung. Der Song handelte von uns beiden zur Anfangszeit der Band. Und den Wandel, den man als Person durchlebt, wenn man die Stadt verlässt, in der man aufgewachsen ist, um seinen Träumen zu folgen.

Indiespect: Ihr interessiert euch für die Kultur und das Essen in den Städten, in denen ihr auftretet. In Feldkirch wart ihr in einem nahe gelegenen See schwimmen, heute esst ihr Fondue, wenn ich richtig informiert bin. Habt ihr bereits konkrete Pläne für die nächsten Städte auf eurem Tourplan?

Carl: Morgen haben wir einen freien Tag in München. Einige von uns gehen schwimmen oder in die Sauna. Solche Dinge.

Adam: Ich habe eine tolle Bar gefunden, aber die ist wahrscheinlich etwas zu teuer. Mal sehen.

Carl: Bebban hat online nach einem Restaurant gesucht, in dem wir bei unserem letzten Besuch gegessen haben. Die Pläne sind also in der Mache.

Indiespect: Also ist das ein fixer Teil eures Zeitplans? Soundcheck, Nachtessen, Konzert und Kultur?

Carl: Wir haben sogar schon mit dem Gedanken gespielt, dass jeder einen Tag übernimmt. Adam sagt beispielsweise, was wir in Winterthur unternehmen. Er stellt den ganzen Tag zusammen. Aber das ist gar nicht so leicht. Manche Städte bieten mehr als andere. Heute ist ein toller Tag, weil wir Fondue bekommen. Das ist ein seltenes Vergnügen.

Indiespect: Die meisten eurer Aktivitäten sind für den Sommer geeignet. Welche Dinge macht ihr im Herbst oder Winter?

Carl: Wir gehen ins Bodybuilding (lacht). Nein, nein. Nur Spass. Es gibt immer etwas zu tun. Man kann beispielsweise in ein Museum gehen.

Adam: Wir waren praktisch noch nie im Winter auf Tour.

Carl: Das ist wahr.

Adam: Ich ziehe es vor, nicht im Winter auf Tour zu sein. Denn dann wachst du auf, wenn es dunkel ist und direkt nach dem Soundcheck ist es auch schon wieder Nacht. Unsere erste grosse Tour in Deutschland und Österreich war im Januar. Aber ja, wie Carl sagt: Ins Museum gehen oder fernsehen.

Indiespect: Vielleicht ist das auch der Grund für eure zum Teil nostalgischen Sommer-Texte. Wenn du zuhause bist und an den Sommer denkst und an all die Dinge die vorbei sind. Vielleicht würde eure Musik ganz anders klingen, wenn ihr im Winter auf Tour gehen würdet.

Adam: Vielleicht. Es gibt viele Sehnsüchte in dieser Jahreszeit.

Carl: Das solltest du Schreiben. Wir touren nicht im Winter.

Bebban Stenborg – ihr tatsächlicher Name ist Paola, wie man seit dem neuen Album weiss.

Indiespect: Inwiefern habt ihr euch seit «Optica» verändert?

Carl: Optica wurde komplett im Studio gemacht. Es wurde im Studio geschrieben. Es war nicht so, dass wir zusammen geübt haben und es Stück für Stück entdeckten. Es ist synthetischer, mehr wie eine künstlich hergestellte Welt. Das neue Album ist organischer. Es hat einen sonnigeren Geschmack.

Adam: Das andere war mehr eine Collage von Ideen. Ich denke wir haben vom Entstehungsprozess von Optica viel gelernt. Wir haben viel mit Arrangements experimentiert. Aber es ist wie Carl sagte. Dieses Album ist natürlicher. Es hat einen grösseren Bandcharakter. Jedes Album ist eine Reaktion auf das vorherige.

Carl: Bei Optica haben wir einfach immer weiter gemacht, niemals richtig aufgehört. Wir hätten es ewig in die Länge ziehen können. Wir machten viele verschiedene Versionen. Dann denkst du immer wieder, du könntest das noch wegnehmen oder hinzufügen. Es ist nicht so klar, wenn du es so angehst. Wenn du zusammen spielst, merkst du schnell, welcher Teil wichtig ist.

Adam: Das hat auch etwas die Texte beeinflusst. Auf dem letzten Album waren sie zynischer. Ich meine, es sind einige wirklich schöne Songs dabei aber ich würde sagen das neue Album ist… nicht glücklicher, aber es zeigt dass wir uns besser fühlen.

Indiespect: Und das obwohl die Welt immer schlimmer wird?

Adam: Das ist genau der Punkt. Wir haben diesen Aspekt ausgeklammert. Die Welt scheint ein dunklerer Ort geworden zu sein. Deshalb haben wir uns entschieden, uns auf unsere Musik zu fokussieren. Das Motto Ease my mind entstand genau deswegen. Wir haben uns die Musik als eine Art Medikament vorgestellt. Oder eine Hand auf deiner Schulter. Wenn du dich schlecht fühlst, ist das einzige was du brauchst, etwas dass deinen Gedanken etwas Frieden und Ruhe gibt.

Carl: Jemanden der einfach deine Hand nimmt und dir sagt, dass alles gut wird.

Adam: Wenn du deine eigene Schwäche zeigst und auch mal sagst, dass du dich schlecht fühlst kann es ebenfalls ein Schrei nach Hilfe sein. Du suchst nach jemandem der dir Geborgenheit und Hilfe gibt. Es geht also um beides. Es ist kein verzweifelter Hilfeschrei, sondern vielmehr die Sehnsucht nach etwas.

Indiespect: Das Publikum kann euch ja vielleicht zurückgeben, was ihr ihnen mit der Musik gabt.

Adam: Auf jeden Fall. Wir versuchen auch immer vor Ort zu sein, wenn wir T-Shirts oder Alben verkaufen und mit den Leuten zu sprechen. Das sorgt dafür, dass das Tourleben richtig Spass macht. Nicht nur Käse essen oder in coole Bars zu gehen. Es gibt uns Energie. Wenn wir nur spielen würden, wäre es etwas schräg. Alle sind richtig aufgeregt, wenn wir ein gutes Publikum haben.

Carl: Es ist ansteckend!

Indiespect: Ihr habt die Tour mit drei Konzerten in Österreich begnonnen. Wie fühlte es sich an, nach all dieser Zeit wieder auf Tour zu gehen und zu wissen, dass ihr für eine Weile weg von zuhause seid?

Carl: Wir haben an einigen Festival gespielt in diesem Sommer. Wir sind also nicht komplett eingerostet. Wenn du nicht spielst, wirst du ängstlicher, sobald du auf die Bühne gehen solltest. Aber es war nicht so. Wir haben vor diesen Konzerten wirklich viel geübt und wollten ein tolles Set zusammenstellen. Es hat sich also gut angefühlt.

Adam: Der Tourauftakt in Wien war wirklich sehr sehr gut.

Carl: Die Leute drehten völlig durch. Auch wenn wir einige Fehler gemacht haben, spielte das keine Rolle. Weil die Stimmung einfach grossartig war.

Adam: Es kam sehr viel Liebe zurück. Einge Dinge waren etwas eingerostet, aber es hatte nichts damit zu tun, auf der Bühne zu sein. Es waren mehr Sachen wie Oh, was soll ich jetzt tun? Wie habe ich das beim letzten Mal gemacht? Packen und andere praktische Dinge. Oder dir die Zeit zu geben, um mal für dich alleine zu sein und zwei Stunden nichts zu machen. Das ist manchmal nicht so einfach.

Shout Out Louds ist eine Band, welche die Nähe zu ihren Fans liebt.

Indiespect: Wie reist ihr im Moment gerade?

Carl: Wir sind nach München geflogen und jetzt reisen wir im Bus. Wir spielen eine Show heute Abend und schlafen, während der Bus fährt. Wenn wir aufwachen, sind wir in München. Es ist eine angenehme Art zu reisen, wenn du dich darauf eingestellt hast. Man lebt fast wie in einem U-Boot. Vor allem diejenigen von uns die ziemlich gross sind. Du kannst nicht aufrecht stehen. Abgesehen davon, erfüllt es seinen Job (lacht). Du bekommst deinen Schlaf und du must nicht den ganzen Tag im Auto sitzen.

Adam: Wir teilen unseren Tourbus mit unserer Support-Band. Sie sind Freunde von Stockholm.

Indiespect: Kannst du mir etwas über sie erzählen?

Adam: Es ist ein Projekt von Rebecka und nennt sich The Hanged Man. Es besteht aus ihr und ihrer Band. Sie war früher in einer schwedischen Band namens Those Dancing Days. Das war eine Indie-Pop-Band vor etwa zehn Jahren. Sie war also in Stockholm immer präsent. Sie ist eine grossartige Musikerin und sie hat auch schon mit anderen Bands gespielt. Unser Soundtechniker hat ein Studio in L.A. Dort haben sie ebenfalls schon zusammengearbeitet.

Indiespect: Adam, ich habe gesehen, dass du einen Song mit der dänischen Band «Go Go Berlin» aufgenommen hast. Stimmt das? Wie habt ihr euch kennengelernt?

Adam: Ja… Ist das schon draussen? Ich habe einen Song mit ihnen zusammen geschrieben. Das tue ich manchmal, wenn ich ein Projekt mag oder wenn ich Zeit habe es zu tun. Während wir ein Shout Out Louds-Album aufnehmen mache ich das aber nicht, ich will die Dinge nicht mischen. Es waren nette Typen. Aber ich weiss nicht, ob der Song überhaupt veröffentlicht wird oder nicht. Das weiss man nie. Sie haben wahrscheinlich mit einer ganzen Menge Leuten Sachen geschrieben.

Indiespect: Mit Shout Out Louds würdet ihr nie ein Feature machen?

Carl: Oh, das haben wir bereits

Adam: Haben wir?

Carl: Naja, kein richtiges Featuring. Aber Lykke Li war auf Our Ill Wills. Dort hatten wir unzählige Leute drauf, die gesungen haben und andere Sachen.

Adam: Ja, vor allem auf dem zweiten Album. Lykke Li und andere schwedische Künstler haben uns dort unterstützt. Aber es wurde alles sehr überlagert. Wir haben auch schon darüber gesprochen. Wenn es sich natürlich anfühlt, treffen wir andere Leute. Aber wir forcieren es niemals im Album-Prozess. Wenn Carl ein Solo-Ding machen würde oder ich etwas selber aufnehme, wäre das vielleicht anders. Wir versuchen es in der Familie zu behalten.

Indiespect: Ihr seid nun schon so lange befreundet. Seht ihr euch auch noch, wenn ihr nicht an einem Album arbeitet oder auf Tour seid?

Carl: Wir sehen uns jeden Dienstag (lacht). Das sind meine besten Freunde. Aber es ist nur natürlich, dass wir nach der Tour eher mit unserer Familie, unseren Partnern und anderen Freunden zusammen sind. Wir sind aber nicht die Band, die nur zusammen spielt. Wir gehen auch zusammen essen oder so.

Adam: Aber die Prioritätenliste wird umgekehrt, wenn du nachhause kommst. Die Band fällt etwas nach unten und die alten Freunde sowie die Familie kommt nach oben. Nach unserer Europa-Tour haben wir etwas Freizeit. Wir spielen einige Konzerte in Schweden und gehen danach auf eine Nordamerika-Tour, die drei Wochen dauert.

Indiespect: Wann wart ihr zum letzten Mal dort?

Adam: Mit dem letzten Album. Verrückt.

Indiespect: Also haben sie dort auch Sehnsucht nach euch.

Adam: Hoffentlich. Ich hoffe sie haben uns nicht vergessen. Vier Jahre sind eine lange Zeit. Und es entstanden so viele gute neue Bands. Aber es wird sicher lustig.

Zum Konzertbericht

Shout Out Louds in all ihrer Pracht.

Carl von Arbin: Lead-Gitarre
Ted Malmros: Bass
Bebban Stenborg: Keyboard, Background-Gesang
Adam Olenius: Gesang, Gitarre

Shout Oud Louds
Ease my mind

Ease my mind ist das fünfte Album von Shout Out Louds. Es ist der Nachfolger von Optica, welches im Februar 2013 veröffentlicht wurde. Es enthält die Singles Jumbo Jet, Porcelain und Oh Oh. Auf ihrer aktuellen Tour besuchen die Schweden Österreich, die Schweiz, Deutschland, Schweden und Nordamerika.

Zur Rezension
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