Royal Blood in der Halle 622:
Merry fucking Christmas, Zürich!

In Reviews by indiespect

Die Wiedergutmachung nach der Absage

Die Vorfreude war gross, als sich Royal Blood für eine Show in Zürich ankündigten. Am 3. November 2017 hätten sie zusammen mit den fantastischen Black Honey in der Halle 622 auftreten sollen. Kurz vor dem geplanten Konzertbeginn musste der Auftritt wegen Krankheit abgesagt werden. Die Engländer hatten sich am Abend zuvor in einem Edelrestaurant Austern genehmigt, die ihnen überhaupt nicht bekommen sind. Gemäss eigenen Angaben seien sie und ihre ganze Crew im Backstage gewesen und hätten nur noch «gekotzt und geschissen», wie es Sänger Mike Kerr gestern unverblümt beschrieb.

Mit der Absage konnte bereits ein Nachholtermin kommuniziert werden. Dieser stand gestern auf dem Programm. Die Tour der beiden Jungs aus Brighton ist eigentlich bereits abgeschlossen, weshalb die Ersatzshow sogleich ihr letztes Konzert in diesem Jahr darstellte. Leider hatten Black Honey keine Zeit, weshalb auf die Lokalband IKAN HYU zurückgegriffen wurde. Was eine tolle Möglichkeit für die junge Schweizer Band war, sorgte leider dafür, dass Support und Headliner nicht so gut harmonierten, wie dies mit ihren Freunden bestimmt der Fall gewesen wäre. Die Formation um Sängerin Izzy Baxter stammt nämlich ebenfalls aus Brighton und ist mit Thatcher und Kerr eng vertraut.

Royal Blood

Die Zwei-Mann-Armee wurde bei einigen Songs von Background-Sängerinnen unterstützt.

Die etwas andere Weihnachtsfeier mit Royal Blood

Mit den Worten Merry fucking Christmas begrüsste Mike Kerr nach einem speziell weihnachtlichen Intro die Fans. Der Choral als Einstieg stand in krassem Kontrast zum Royal Blood-Sound der darauf folgte. Mit Where Are You Now? und dem phänomenalen Lights Out starteten die beiden Musiker in den Abend. Das Tempo war schnell vorgegeben, Verschnaufpausen gibt es bei diesem Duo selten. Kerr entschuldigte sich nach zwei Songs beim Zürcher Publikum für die Absage. Es sei ihnen aber schlicht und einfach nicht möglich gewesen, an jenem Abend die Bühne zu betreten. Die Gründe dafür wurden eingangs bereits erläutert, auf eine Wiederholung wird an dieser Stelle bewusst verzichtet. Es schien Royal Blood jedenfalls ein echtes Anliegen zu sein, die Absage wiedergutzumachen.

Für Tequila entfernte sich Ben Thatcher sogar von seinem Schlagzeug

Kopftuchträger Thatcher im Element

Nach I Only Lie When I Love You, einem Highlight ab dem neuen Album, folgte auf Look Like You Know eine ausgedehnte Performance des bereits zum Klassiker gewordenen Little Monster. Ein ausuferndes Schlagzeugsolo sorgte für Begeisterungsstürme im Publikum. Ben Thatcher bedeckte sein Haupt dabei mit einem Schweisstuch und dürfte gegen Ende seines Solos ziemlich stark gedampft haben, so sehr malträtierte er sein Instrument über mehrere Minuten.

Es folgten gleich drei neue Tracks. Auf Hook, Line & Sinker wurden Sleep sowie Hole In Your Heart in die vollgepackte Halle geschmettert. Während der Festivalsaison fand How Did We Get So Dark?, der Titeltrack ab dem aktuellen Album nur äusserst selten den Weg ins Set. Zu zweit war dieser kaum zu bewältigen. Glücklicherweise konnten die beiden Sängerinnen gewisse Instrumentalparts übernehmen und den Song so livetauglich machen. So kamen die Fans in der Halle 622 in Genuss dieses Meisterwerks – ein wahrer Genuss für die Ohren.

Ben Thatcher geht mit dem Publikum auf Tuchfühlung

Der Bruch mit der Zugaben-Regel

Nach Loose Change folgte ein Highlight des Abends. Figure It Out befindet sich wie das erstgenannte ebenfalls auf dem Debüt-Album von 2014. Mit der zusätzlichen Live-Energie versetzte der Song die tanzwütigen Fans in Ekstase. Was anschliessend folgte, war für Kenner der Band eine Überraschung. Noch vor einiger Zeit beklagten sich Royal Blood über das Prinzip der Zugaben. Sie sahen den Sinn darin nicht, wenn sich eine Band von der Bühne verabschiedet und nach tosendem Applaus wieder zurückkehrt, um noch ein paar Tracks zu spielen.

Doch genau das taten sie jetzt. Allerdings kamen die beiden Jungs nur für einen einzigen Song zurück. Dafür reizen sie Out Of The Black bis ins Extreme aus. Am Ende standen alle um das Schlagzeug und liessen die letzte Rest-Energie aus dem Körper. Das Konzert endete nach etwas weniger als 90 Minuten. Dabei sei zu bemerken, dass bei anderen Shows der Tour noch 4 bis 5 zusätzliche Songs im Set Platz gefunden hatten. Dies war leider in Zürich nicht der Fall. Ob das am Wochentag oder der Jahresendmüdigkeit lag, kann man nicht genau sagen. Nichtsdestotrotz boten Royal Blood wieder eine Live-Performance der Extraklasse.

Royal Blood

Ein letztes Mal sind alle vereint

Fazit

Royal Blood holten wieder einmal von Neuem alles aus ihren Instrumenten raus. Einige Wermutstropfen gab es jedoch trotzdem. Ursprünglich hätte das Konzert an einem Freitag stattgefunden, was eventuell für ein längeres Set gesorgt hätte. Zudem konnten beim Ersatztermin die fantastischen Black Honey nicht mit von der Partie sein. Aber dennoch darf man nicht meckern. Es war eine tolle Leistung der Veranstalter, so schnell einen Nachholtermin für das abgesagte Konzert zu finden. Und das Duo aus Brighton weiss live immer zu überzeugen. In diesem Sinne: Merry fucking Christmas!

Royal Blood Setlist Halle 622, Zurich, Switzerland 2017, How Did We Get So Dark?
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