Interview mit Christian und Mikkel von Go Go Berlin:
Neue Musik, neues Tattoo und neues Band-Mitglied

In Interviews by indiespect

Vor dem Abschlusskonzert ihrer kleinen Januar-Tour, die Go Go Berlin durch Deutschland und die Schweiz führte, hatte ich die Möglichkeit mit Sänger Christian Vium und Gitarrist Mikkel Dyrehave zu sprechen. Wir unterhielten uns über neue Songs und die Entscheidung den Aufnahmeprozess fürs nächste Album anders zu gestalten als bisher. Das Konzert fand am 20. Januar in der Roten Fabrik in Zürich statt.

Zum Konzertbericht

Go Go Berlin sind:

Christian Vium (Gesang, Gitarre) 
Mikkel Dyrehave (Gitarre) 
Anders Søndergaard (Keyboard)
Christoffer Østergaard (Schlagzeug)
Nick Lee (Bass)

Indiespect: Wie war euer erstes diesjährige Konzert in der Schweiz gestern?

Mikkel: Es war gut. Christoffer musste sich etwas zusammenreissen. Aber ansonsten war es wirklich sehr schön im KUFA Lyss.

Christian: Wir hatten eine verrückte Nacht tags zuvor in Mainz. Christoffer liess sich mitten in der Nacht sogar seinen Arm tätowieren. Aber ich denke die Show lief richtig gut. Irgendetwas passiert mit einem sobald man die Bühne betritt. Es ist, als würde dir irgendetwas ins Gesicht geworfen, das dich richtig energetisch werden lässt. Bei mir ist es auf jeden Fall so. Ich bin echt froh, dass der schlechte Zustand nicht das Konzert beeinflusst. Davor hast du einfach das Gefühl: «Oh nein. Ich kann das nicht tun». Und danach: «Oh, ich habs überstanden.»

Indiespect: Also wart also alle ziemlich betrunken am Abend zuvor?

Christian: Nicht so betrunken wie Christoffer, nein.

Indiespect: Er hat erzählt, dass jeder von euch ein Tattoo hätte stechen lassen. Also war das eine Lüge?

Christian: Das sagte er nur, weil er es verbockt hat und uns mit in den Abgrund ziehen wollte.

Indiespect: Also hatte er gar nicht geplant, sich tätowieren zu lassen?

Christian: Er kam zu mir und sagte: «Christian, dieser Typ hat eineTätowiermaschine». Und ich dachte nur: «Oh nein!» Dieser erste Typ wollte ihn jedoch nicht tätowieren. Wahrscheinlich konnte er sehen, dass er einfach zu betrunken war. Aber dann kam dieses Mädchen und sagte: «Ich habe auch eine Tätowiermaschine». Sie ging also nachhause und fünfzehn Minuten später kehrte sie mit der Maschine zurück. Sie hatte eine Maske an, sie war also immerhin ziemlich professionell.

Indiespect: Kamen die Worte, die er sich stechen liess, von ihm selbst?

Mikkel: Sie sind aus einem Song, den wir eben erst frisch aufgenommen haben. Er wird auf unserem nächsten Album erscheinen, dass wir irgendwann veröffentlichen.

Christian: Es heisst Never Fall In Love Again. Also eigentlich ist der Songtitel ohne das Again.

Mikkel: Er hats also verbockt!

Christian: Wir haben das sogar live auf Facebook übertragen. Aber es wurde entfernt, weil wir so laute Musik im Backstage-Raum hatten und es dadurch ein Copyright-Problem gab. Aber wir haben uns das Video schon angeschaut und es ist wirklich verrückt. Wir werden es irgendwann zusammenschneiden.

Go Go Berlin

Go Go Berlin von links nach rechts: Christoffer Østergaard, Christian Vium, Mikkel Dyrehave, Anders Søndergaard

Indiespect: Ihr habt von euerm neuen Album erzählt und dass es beinahe fertig ist…

Mikkel: Den ersten Teil haben wir fertig. Wir haben den Aufnahme-Teil abgeschlossen. Aber jetzt wird das Ganze noch gemixt und ganz viele andere Dinge gemacht. Es ist also noch nicht beinahe fertig. Das wäre eine Lüge. Wir haben hier keinen genauen Zeitplan. Vielleicht in diesem Jahr, vielleicht im nächsten. Wir wissen es noch nicht.

Christian: Wir haben es aufgenommen und es wird nun gemixt. Ich denke wir werden dieses Jahr einige Songs veröffentlichen. Aber wir wissen noch nicht, wann es wirklich landet. Natürlich steckt auf viel Strategie dahinter. Wir wollen es nicht nur in einem Land veröffentlichen. Wir möchten, dass auch andere Länder darauf aufmerksam werden und das braucht seine Zeit. Aber weil wir es fast fertig haben, sind wir so begeistert und möchten dementsprechend etwas damit machen. Es ist wirklich eine schwierige Situation, wenn du etwas geschaffen hast, dass du noch nicht zeigen kannst.

Mikkel: Dieses Mal haben wir uns wirklich Zeit genommen. Wir mussten unseren Fokus darauf legen. Deshalb brauchten wir etwas Abstand um die Platte zu machen. Wir waren so lange im Studio, jetzt sind wir wieder richtig wild.

Indiespect: Wann habt ihr euch denn dazu entschlossen, dass ihr nicht mehr so viele Konzerte spielen möchtet und euch stattdessen auf das Album konzentrieren möchtet? 

Mikkel: Das war ungefähr vor zwei Jahren. Wir sagten uns selber, dass wir einen Gang runterschalten sollten. Bevor du dein erstes Album machst, hast du alle Zeit der Welt, um Material dafür zu sammeln. Zu dieser Zeit kreierten wir Musik für das erste sowie das zweite Album. Aber danach musst du eine Pause machen, um neues Material zu sammeln.

Christian: Ich denke, weil wir so ausgedehnt auf Tour waren nach dem ersten Album. Unser Management und die Plattenfirmen sagten uns: «Kommt, wir müssen das noch einmal machen». Das erste war immerhin ein kleiner Erfolg. Deshalb wollten sie das neue Album sehr rasch haben, damit wir auch in anderen Ländern auf Tour gehen konnten. Es wurde geschrieben, aufgenommen, gemixt und beinahe schon veröffentlich innerhalb eines halben Jahres. Es ging alles wirklich schnell. Für diese Zeit war das auch in Ordnung. Nach der Tour von Electric Lives, unserem zweiten Album, sassen wir zusammen und beschlossen, dass wir beim nächsten etwas machen wollten, was wir noch nie getan hatten. Nämlich alles etwas zu verlangsamen und die Songs kommen zu lassen. Wie Mikkel sagte, dein erstes Album wird nicht innerhalb von einem Jahr geschrieben, sondern in vielen Jahren. Wir haben uns als Songwriter extrem entwickelt, ebenso als Menschen und Produzenten von uns selber. Aber vor allem im Songwriting haben wir einen grossen Sprung gemacht. Christoffer sagte einmal, dass dies die besten Songs sind, die wir je geschrieben haben. Vielleicht ist er auch deshalb so stolz auf dieses Lied (Never Fall In Love).

Indiespect: Ich habe Bilder von euch gesehen, wie ihr mit Musikern wie Lydmor oder Adam Olenius von Shout Out Louds zusammenarbeitet. Haben sie mit euch an Songs geschrieben, oder waren es Zusammenarbeiten für Featurings auf dem neuen Album?

Mikkel: Wir haben für dieses Album mit vielen Personen zusammengearbeitet. Das ist auch etwas, das wir im Songwriting angepasst haben. Lass dich einfach gehen und versuche verschiedene Dinge. Aus diesem Grund brauchten wir auch mehr Zeit. Wenn etwas nicht gut genug war, verwarfen wir es und sagten: «Lass und das morgen noch einmal versuchen».

Christian: Das Stück mit Adam Olenius wird nicht auf diesem Album erscheinen. Aber wir haben viel von seiner Art Songs zu schreiben gelernt. Es war eine tolle Erfahrung ihn zu treffen, mit ihm im Studio zu sein und einige Tage in Stockholm zu sein. Es war wirklich inspirierend.

Mikkel: Es ist auch ein wirklich toller Song entstanden. Er passt einfach nicht auf dieses Album. Bei unserer ersten Platte war es genau dasselbe. Wir hatten viele Stücke, die wir nicht verwendeten. Also kamen sie aufs zweite. Und jetzt passiert das wieder. Wir habe so viele Songs geschrieben, die nicht aufs Album kommen, aber sie sind der Grundstein fürs nächste. Die Dinge, die wir im Moment tun, werden uns für eine lange Zeit beeinflussen und begleiten. Deshalb wird das vierte Album auch schneller fertig sein als das dritte.

Christian: Wir hatten sechzig oder siebzig Lieder. Wir versuchten uns so gut wie möglich zu beschränken. Als wir bei 25 Stücken waren, dachten wir: «Ab jetzt schmerzt es, noch mehr Stücke zu entfernen». Aber ein Album hat nur elf Songs. Momentan fühlt es sich an, als hätten wir bereits zwei Alben fertig. Wir haben so effizient gearbeitet.

Mikkel: Es wiederholt sich alles. Wie es beim ersten und dem zweiten Album gelaufen ist, so wird es auch mit dem dritten und dem vierten.

Indiespect: Heisst das, ihr werdet die Songs, die ihr jetzt nicht auf dem Album verwendet, beim nächsten benutzen?

Mikkel: Diese Tracks sind bereits im Mix fürs nächste Album. Aber wir können uns momentan darüber nicht zu viele Gedanken machen, weil wir im Kopf mit dem jetzigen beschäftigt sind. Aber sie sind auf jeden Fall nicht weg. Wir hatten einige sehr alten Titel, die erst jetzt interessant für uns wurden.

Christian: Heaven’s Gone Alive ist von einem Demo, welches wir 2013 für New Gold gemacht hatten. Vieles von unserem Material, begleitet uns immer in einer Form.

Mikkel: Als wir uns auf zwanzig Stücke geeinigt hatten, konnten wir einige nur weglassen, weil wir sagen konnten: «Das kommt aufs nächste Album». Andernfalls hätte es zu sehr wehgetan.

Christian: Sie sterben nicht. Wir hängen sie einfach noch etwas an den Kühlschrank.

Go Go Berlin haben beim neuen Album mit verschiedenen Künstler zusammengearbeitet. So zum Beispiel mit Adam Olenius von Shout Out Louds (links) oder Lydmor (rechts).
Quelle: Go Go Berlin, Facebook

Indiespect: Ihr wart nicht sicher, ob ihr einen neuen Bassisten als festes Mitglied möchtet, nachdem Emil die Band verlassen hat. Aber jetzt habt ihr Nick gefunden. Gehört er nun fest zur Besetzung?

Mikkel: Er ist festes Mitglied unserer Live-Besetzung. Und er hat auch bei einem Teil der Aufnahmen mitgewirkt.

Christian: Ja, wir haben ihn bei einem Track eingesetzt, aber er war nicht im Songwriting involviert. Ich denke, das bleibt auch so. Aber er ist jetzt definitiv Teil der Familie. Wir werden schauen, wie es sich entwickelt.

Mikkel: Es ist ein offenes Kapitel. Wir haben nur darüber gesprochen,  ob er sich vorstellen könnte, mit uns all diese Konzerte zu spielen. Und wir hatten eine Session mit ihm, als wir einen Track aufnahmen. Seither ist es ein offener Prozess.

Christian: Wir daten keine anderen mehr. Wir sind eine Beziehung eingegangen, aber wir werden uns wohl nicht sofort einen Antrag machen. Es fühlt sich für uns richtig an und alles läuft gut, wie es ist (lacht)

Indiespect: Heute Abend spielt ihr neue Songs. Diese habt ihr bei den letzten vier Konzerten ebenfalls präsentiert. Wie waren die Publikumsreaktionen?

Christian: Sie waren sehr stark. Ich war wirklich wirklich glücklich. Als wir sie am ersten Abend spielten, war es für uns noch ziemlich schwierig, da wir uns konzentrieren mussten keine Fehler zu machen. Aber wir haben starke Reaktionen auf verschiedene Songs an verschiedenen Abenden erhalten. Vielleicht weil wir sie besser gespielt hatten. Und es ist schön zu spüren, dass die Leute wirklich daran interessiert sind das neue Zeug zu hören.

Mikkel: Wir haben uns sehr verändert. Aber zu sehen, dass den Leuten, die unsere alten Sachen mochten, auch das neue Material gefällt, ist wirklich schön. Bei einigen Songs grooven die Leute und spüren den Vibe, bei anderen beginnen sie zu tanzen oder zu springen. Es ist schön, das ganze Spektrum zu sehen.

Christian: Im aktuellen Set spielen wir ungefähr fünfzig Prozent neue Songs.

Wir daten keine anderen mehr. Wir sind eine Beziehung eingegangen, aber wir werden uns wohl nicht sofort einen Antrag machen.Christian Vium spricht über den neuen Bassisten Nick Lee

Indiespect: Ist es wahr, dass euer neuer Stil irgendwo zwischen der alternativen Version von «Maybe Tomorrow» und euern älteren Songs liegt?

Christian: Wir sind auf jeden Fall mehr Alternative geworden. Maybe Tomorrow hat uns gezeigt, dass wir nach etwas anderem dürsten. Es war diese Welt, nach der wir suchten, aber vielleicht machst du dir am Abend am Besten selber ein Bild davon, wenn du die Songs hörst.

Mikkel: Eine Sache, die uns diese alternative Version zeigte ist, dass wir nebst den Melodien und den Akkorden an den kleinen Dingen gefeilt haben. Kleine Geräusche und solche Dinge. Das ist eine grosse Neuerung in unserem Aufnahmeprozess. Anders schreit zum Beispiel an einer Stelle. Wir wollten den Live-Charakter mehr in die Aufnahmen einbinden.

Christian: Wir nahmen die Songs beinahe 1:1 auf. Und verwendeten eine Menge Dinge direkt. Wenn du so aufnimmst, ist ein kleines Detail plötzlich auf Band oder etwas fällt einem ein, kleine charmante Details. Es ist dann sehr wichtig, diese auch zu behalten. Manchmal ist es eben ein Schrei des Keyboarders. Wir bekamen auch etwas Angst vom Begriff Retro-Rock. Das war die Marke die wir aufgedrückt bekamen. Wir begannen das als negativen Ausdruck zu empfinden. Retro heisst so etwas wie die Kopie einer Band zu sein. Wir fühlten uns darin etwas gefangen. Vor allem mit dem neuen Material wollten wir zeigen, dass wir nichts zu replizieren versuchen. Wir möchten etwas Neues schaffen.

Indiespect: Hat die Aussage der Leute, die euch Retro-Rockband nannten, euern Musikstil beeinflusst?

Christian: Es zeigte sich bereits ein wenig auf Electric Lives. Wir bewegten uns zumindest etwas in neues Territorium. Ich hasse die Leute nicht dafür, dass sie das sagen. Jeder sollte das so geniessen, wie er es empfindet. Aber es ist nicht unsere Befindlichkeit.

Die Alternativ-Version von «Maybe Tomorrow» markierte einen Wendepunkt im Songwriting von Go Go Berlin

Indiespect: Einige der Fragen habt ihr bereits in euerm Tourcast beantwortet. Nicht alle von euch haben sich ein Tattoo stechen lassen, ihr habt noch keinen Namen und kein Artwork für euer nächstes Album…

Mikkel: Wir müssen damit anfangen. Danke, dass du es erwähnt hast.

Christian: Für Electric Lives haben wir fast täglich ein neues Cover gemacht. Das fühlte sich richtig an, weil man so direkt spürt ob es zu dem passt, was du musikalisch machst. Es braucht viel Zeit, weil wir nicht einfach das Erste, was uns in den Sinn kommt, verwenden. Wir sind ziemlich wählerisch.

Indiespect: Das heisst, ihr macht es wieder selbst?

Christian: Ich denke schon. Wir tendieren dazu zu sagen, wenn du etwas richtig haben möchtest, dann musst du es selber machen. Vielleicht nicht den Feinschliff, aber die Ideen sollten immer von der Band kommen.

Mikkel: Wir sind vier Personen mit eigenen Gedanken. Dann gibt es anschliessend noch unsere kollektive Meinung. Jedes Mal, wenn wir jemanden beiziehen möchten und sagen: «Könntest du uns von Grund auf etwas machen?» werden sie schizophren. Weil immer vier Stimmen in verschiedene Richtungen schreien. Also müssen wir uns erst selber unserer Gedanken machen, bevor wir jemanden einladen mitzuarbeiten.

Christian: Wir haben totale Demokratie. Aber in einer Demokratie kümmern sich die einzelnen Personen auch um verschiedene Dinge. Jeder gibt gleich viel Herzblut ins Projekt. Als wir den Schädel für Electric Lives gefunden haben, gab es nicht einen magischen Moment, in dem wir darauf zeigten und sagten: «Da ist es!» Es geht hin und her bis alle glücklich sind. Es wird am Ende das gewählt, das am wenigsten negative Gedanken auslöst. Dann hast du etwas, mit dem du arbeiten kannst.

Mikkel: Es ist ein Spiel. Einfach nur ein langes Spiel. Mit Lügen und Betrügereien.

Christian: Aber du hast gesagt es gefällt dir! Fuck, was hast du gemeint?

Mikkel: Anders erzählte mir gestern, dass du gesagt hast…

Christian: Wir respektieren immer die Meinungen voneinander. Aber es ist schwierig.

Mikkel: Demokratie ist schwierig.

Christian Vium während der Arbeit am Artwork für das zweite Album «Electric Lives». Quelle: Morten Rygaard Photography

Indiespect: Ihr habt jetzt nur wenige Konzerte gespielt. Habt ihr schon Pläne für kommende Shows?

Christian: Vieles davon ist noch nicht bekanntgegeben. Tatsächlich darf ich dir gar nichts sagen oder wir müssten dich töten. Wir spielen am 23. und 24. März zwei wirklich grosse Konzerte in unserer Heimatstadt Aarhus und in Kopenhagen. Wir freuen uns wirklich sehr darauf. Weil das so grosse Shows sind, wird auch viel davon abhängen, ob die Leute an spätere Konzerte von uns kommen. Es ist lange her, seit wir in Dänemark gespielt haben, deshalb bedeutet es uns so viel. Wir werden mehr als unser Bestes geben. Wir spielen auch Konzerte im Sommer und eine Tour durch Dänemark im Herbst. Deshalb kamen wir jetzt in die Schweiz und nach Deutschland. Wir wollten sehen, ob uns die Leute vermissen. Und es fühlt sich so an, als würden sie es tun. Wir freuen uns wirklich wieder zuhause zu sein. Heute sind wir in Zürich um zu sagen, dass wir noch hier sind.

Mikkel: Und auch, um aus unserem winzigen Studio rauszukommen und etwas frische Luft zu atmen.

Christian: Wir haben es wirklich vermisst. Deshalb endest du betrunken. Einfach, weil du es so vermisst hast.

Mikkel: Es ist eine richtige Anfänger-Erfahrung. Wie wenn eine Band zum ersten Mal auf Tour ist und jedem die Hände schütteln möchte.

Christian: In Dänisch sagt man, das ist das wofür wir leben. Das was du atmest und wofür dein Herz schlägt. Wir haben auch eine Dänische Redensart , welche die Kühe im Frühling beschreibt. Dann kommen sie zum ersten Mal aus ihrem Stall auf die grüne Wiese. Dann springen sie rum und werden ganz verrückt. Eine Kuh ist nicht unbedingt ein energetisches Tier, aber zu diesem Zeitpunkt dreht sie völlig durch. So fühlt es sich für uns auch an. Als würden wir nach langer Zeit im Stall endliche wieder ins Feld gehen.

Indiespect: Ein schönes Bild. Vielleicht solltet ihr das für euer nächstes Album-Cover verwenden.

Christian: Das wäre dann im Stil von Pink Floyd oder Aerosmith. Nein, nein! Wir wollen keine Retro-Band sein.

Mikkel: Wir wollen weder Pink Floyd noch Aerosmith sein.

Christian: Ich denke der Grund dafür, dass wir davor so Angst haben ist, dass wir grossen Respekt und viel Liebe für alte Rockmusik haben. Deshalb sind wir überhaupt im Game. Aber ich fühle eine riesige Frustration. Ich hatte darüber eine Unterhaltung mit einem der Inhaber des Clubs in Mainz, in dem wir spielten. In Dänemark gibt es einen Radiosender mit dem Namen My Rock. Es ist ein Sender für Rockmusik, aber ausschliesslich für alte Rockmusik. Wenn mal etwas neues läuft, ist es wirklich schräges Zeug. Deshalb sagen wir auch, wir spielen Alternative-Musik. Wenn du Rock spielst, kriegst du gleich einen Stempel. Fünfzig Prozent der Zeit läuft dort nur AC/DC. Natürlich möchte ich dort auch gespielt werden, aber das würden sie niemals tun. Daran können wir nun sehen, dass wir in deren Augen nicht wirklich Rockmusik spielen. Natürlich fühlst du dich da etwas hin und hergerissen, weil du natürlich das Gefühl hast Rockmusik zu spielen. Aber in keiner Weise willst du nur mit altem Zeug assoziiert werden. Deshalb fürchten wir uns etwas vor diesem Stempel. Es fühlt sich an, als würdest du eine Zirkusshow aufführen, die es bereits seit fünfzig Jahren gibt.