Hecht im Interview:
Dieser Fisch schwimmt mit «Oh Boy» auf der Erfolgswelle

In Interviewsby indiespect

Am letzten Freitag erschien mit «Oh Boy» das dritte Album von Hecht. Wie schon seine Vorgänger setzt es sich sofort im Gehörgang fest und ist gespickt mit potenziellen Hits. Mit Songs wie «Heicho» oder «Verlore im Meer» schlägt die Band ein reiferes Kapitel auf. Es geht um erwachsenere Gefühle, ohne die Lebensfreude zu vergessen. Bevor Hecht am 20. März ihre Tour in der Café Bar Mokka in Thun starten, sprachen Sänger Stefan Buck und Gitarrist Christoph Schröter mit indiespect.ch über das Album und ausverkaufte Konzerte.

Indiespect: Heute ist euer Promo-Tag. Hattet ihr schon viele Interviews?

Stefan Buck: Wir waren bei Radio 32, Pilatus, Sunshine, Central und hatten drei Interviews hier in der Bar.

Indiespect: Dann ist dies euer letztes Interview für heute?

Stefan: Ja. Nachher gehen wir zur Probe.

Indiespect: Die Aufnahmen zu eurem neuen Album liegen schon wieder etwas zurück. Müsst ihr für die Tour noch fleissig proben oder könnt ihr die Songs noch?

Stefan: In einer Woche geht es los. Jetzt ist wirklich noch Endspurt angesagt. Setliste finalisieren und zwei, drei Songs ausbessern. Aber das ist eigentlich die schönste Arbeit im ganzen Prozess. Die Songs live-fit zu machen. Das ist überhaupt keine Pflicht, sondern eher die Kür.

© Tabea Hüberli

Indiespect: Ihr seid an einem Punkt angelangt, an welchem ihr immer mehr im Rampenlicht steht. Ihr wart zum Beispiel wieder bei den Swiss Music Awards. Habt ihr mittlerweile ein Team, dass euch sagt, welche Outfits ihr tragen sollt?

Stefan: Das sind wir.

Christoph Schröter: Wir pushen uns selbst.

Stefan: Wir sind eine Band und kein Einzelkünstler. Das ist für uns der grosse Unterschied zu vielem, was momentan so rumschwirrt. Wir haben keinen DJ und einen Frontmann der rappt. Für uns ist das ein Band-Ding. Rein optisch möchten wir uns bei Anlässen gleich anziehen, sodass man uns als Band erkennt. Das ist wichtig für uns und auch für die Wahrnehmung von aussen.

Indiespect: So findet man sich auch in den Massen besser wieder.

Stefan: Genau, das ist ein grosser positiver Effekt.

Indiespect: Das Album ist seit letztem Freitag draussen. Die Reaktionen der Fans sind bereits sehr positiv. Denkt ihr in einer Woche singen schon alle eure Texte auswändig mit?

Stefan: Alles wäre schon ziemlich heftig. Aber wir hoffen schon, dass die Leute die neuen Songs wieder so ins Herz schliessen, wie die vergangenen. Das macht schon sehr Spass, wenn du auf der Bühne bist und die Leute alles mitsingen.

Futuristischer Look und Choreografie: Hecht an den Swiss Music Awards 2018

Indiespect: Der Ausdruck OH BOY, den ihr als Albumtitel gewählt habt, wird bei uns im Alltag ja nicht sehr oft benutzt. Wie seid ihr darauf gekommen?

Stefan: OH BOY ist ein Ausdruck für: Unglaublich, was da wieder passiert. Das fasst gut zusammen, wie wir uns momentan fühlen. Für uns ist es immer noch unglaublich, wie das alles abgeht und es immer grösser wird. Dazu sind wir noch fünf Jungs.

Indiespect: Viel Steigerungspotenzial habt ihr in der Schweizer Clubszene nicht mehr.

Christoph: Es ist wirklich unglaublich, dass wir alle Konzerte füllen, die wir momentan gebucht haben. Ich weiss noch ganz genau, als wir uns entschieden haben, dass wir das Konzert im Volkshaus machen. Dort haben wir ein Teaser-Video gedreht, als es leer war. Da dachten wir: Wenn wir das füllen, wird es gross. Jetzt ist es voll. Wir freuen uns.

Indiespect: Aber Ambitionen fürs Hallenstadion habt ihr nicht, abgesehen von Award-Shows?

Stefan: Es ist nicht das oberste Ziel, einfach immer grösser zu werden. Für uns ist es das grösste Ziel, mit diesem Album und den alten Songs ein Live-Programm zu machen, das die Leute flasht. Für uns ist die Grösse momentan völlig okay (lacht). Wir wollen aber unsere Sache wirklich gut machen.

Christoph: Ich finde es auch wichtig, dass du das Publikum immer noch spürst. Bei den Grössen, die wir jetzt spielen, ist das immer noch der Fall. Wenn du rein hypothetisch ins Hallenstadion gehen würdest, wäre die Verbindung zum Publikum wahrscheinlich nicht dieselbe. Diese brauchen wir, um das Konzert mit dem Publikum zu gestalten.

Hecht

OH BOY! Einzig für den Zusatztermin im Bierhübeli in Bern gibt es momentan noch Tickets, die restliche Tour ist komplett ausverkauft.

Indiespect: Bei euch arbeiten noch immer alle nebenbei, ist das richtig? Gibt es nicht immer noch mehr zu tun, wenn der Erfolg stetig grösser wird?

Stefan: Grössere Konzert geben für uns nicht wirklich mehr zu tun. Die psychische Belastung ist einfach vorhanden. Wenn du in einem 100er-Club oder auf dem Gurten spielst, ist das schon eine etwas andere Schuhnummer. Aber wir haben ein super Team um uns. Das Management und das Booking sind wirklich professionell. Das geht weiter mit unserer ganzen Crew. Wir haben das ganze Set-Up ausgelagert. Wir schleppen keine Verstärker mehr. Das haben wir 18 Jahre gemacht und jetzt nicht mehr. Das lässt uns sehr effizient mit der Zeit sein. Wenn wir möchten, können wir eine Stunde vor Konzertbeginn eintreffen und alles ist bereit. Wir machen das sehr selten, aber es gibt uns die Möglichkeit Job, Privatleben und Familie mit der Musik unter einen Hut zu bringen.

Indiespect: Ist es nicht euer Ziel von der Musik zu leben?

Stefan: Wir sind natürlich fünf Leute. Wir sind nicht ein Einzelkünstler, der seine Musiker bezahlt. Das macht es natürlich schon ziemlich schwierig den Kuchen so gross zu kriegen, damit alle ein Leben davon führen könnten. Und  es spielt auch ein Freiheitsgedanke mit. Wenn du nicht zu hundert Prozent davon leben musst, kannst du zu vielen Dingen einfach nein sagen. Wenn das dein Erwerb ist, musst du halt mal eine Corporate-Show spielen, um Geld reinzukriegen. Wir können uns so ziemlich gut die Rosinen picken. Zum Beispiel haben wir kein einziges Sponsoring. Kein Auto-Sponsoring, keinen Getränkehersteller oder was es auch immer gibt. Wir bezahlen alles selbst und sind dafür unglaublich frei.

Indiespect: Man muss auch immer aufpassen, wenn man beginnt sich für etwas einspannen zu lassen. Die Wahrnehmung kann schnell kippen, oder nicht?

Stefan: Gratis-Ferien oder sowas in der Art bringst du schnell mal hin, wenn du relevant bist. Aber dann müssten wir in den Ferien ein Foto machen und schreiben: Danke XY. Das ist einfach nicht unser Stil. Natürlich überlegen wir uns das manchmal auch. Mit einem Sponsoring könntest du dir einen Teil der Auslagen finanzieren. Aber es muss einfach stimmen.

Indiespect: Technisch habt ihr zwar alle Verpflichtungen abgegeben, aber im kreativen Prozess seid ihr immer noch ganz selbstständig, oder?

Stefan: Wir haben schon Hilfe. Wenn wir ein Video machen, haben wir beispielsweise eine Choreografin. Aber wir machen das ganze Konzept. Bei der Grafik macht Philipp, unser Bassist, eigentlich alles. Natürlich auch mit einer externen Hilfe, die beim Layout und der Fotografie behilflich ist. Das ist manchmal gar nicht so gewollt, aber wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir untereinander relativ eine klare Vorstellung haben, wie es sein soll. Es ist richtig schwierig einem Dritten das zu vermitteln. Deswegen haben wir noch immer die Situation, dass wir Vieles selbst machen.

Hecht haben für ihr neustes Werk einen kreativen Teaser-Film gedreht.

Indiespect: Ich habe euch Ende Januar mal in der Roten Fabrik an einem Konzert vor der Bühne gesehen. Gisi hat dort mit Tim Freitag gespielt. Habt ihr ihn dort nur abgeholt?

Stefan: Leider waren wir leicht angesäuselt. Wir haben uns das Konzert angeschaut, danach sind wir in den Augang gegangen, um zu feiern. Wir haben an diesem Tag das Master fürs Album abgegeben. Darum haben wir ziemlich auf den Putz gehauen.

Indiespect: Das ist doch ein guter Grund, um angesäuselt zu sein.

Stefan: Ja, das ist auch eine Stärke (lacht). Man muss erst fünf Leute finden, die gerne zusammen Musik machen und auch gerne zusammen trinken gehen.

Indiespect: Wo ist der Ramazotti auf dem neuen Album geblieben?

Stefan: Ja, der ist leergetrunken. Nein, aber wir haben auf dem letzten Album zweimal den Ramazotti im Text gehabt. Wir fanden, den können wir jetzt nicht schon wieder bringen. Aber er ist definitiv ein Bestandteil von uns. Wir haben dafür andere Sujets auf dem neuen Album gefunden.

Indiespect: Schreibst du dir diese Wortspiele auch zwischendurch auf, wenn dir eines in den Sinn kommt?

Stefan: Das gibt es ab und zu. Ich habe schon iPhone-Listen mit Ausdrücken. Aber das Meiste kommt intuitiv für einen Song. Dort lasse ich mich vom Instrumentalen inspirieren. So komme ich in einen unterbewussten Zustand, in welchem ich mir Dinge aufschreibe. Manchmal hast du einfach Glück. Aber es entsteht auch viel Schrott. Du brauchst einfach den Ehrgeiz, diesen wegzuwerfen und nicht zu verarbeiten. Sonst gibt es halt nicht so ein gutes Album.

Hecht

Bald hat der Strandurlaub ein Ende. Die Club-Tour startet in einer Woche. © Tabea Hüberli

Indiespect: Ihr habt euch einen Namen gemacht, weil ihr wirklich viele und gute Live-Konzerte gespielt habt. Zum Beispiel in der Chesterfield Lounge am Openair St. Gallen 2012…

Stefan: Oh, das war ein grossartiges Konzert.

Indiespect: Damals habt ihr glaube ich sogar zwei Slots gespielt. Einmal vor und einmal nach den Toten Hosen.

Stefan: Ja, das Konzert nach den Toten Hosen ist noch immer das absolut betrunkenste Konzert der Bandgeschichte. Wir haben unser erstes Set gespielt, was super ging. Danach haben wir zwei Stunden lang, ohne Abmachung sich zu Betrinken, Bier reingeleert. Plötzlich hiess es: Jungs, wieder auf die Bühne. Da haben alle gesagt: Ja, also ich bin mega betrunken. Die Leute haben es trotzdem abgefeiert und wir auch. Ganz enge Freunde haben uns gesagt, dass wir auf der Bühne plötzlich irgendwelche Ausfall-Schritte gemacht hätten. Auch unser Booker hat uns dann gesagt, dass wir sehr betrunken gewesen seien. Aber für uns hat alles gestimmt. (lacht)

Indiespect: Ich hab dass also auch nicht wirklich gemerkt. Wahrscheinlich hat sich das Publikum parallel zu euch ein paar Bier genehmigt.

Stefan: Genau. Es hat sich so verschmolzen.

Indiespect: Was ich eigentlich sagen wollte ist jedoch, dass ihr viele kleine Konzerte gespielt habt. Durch Shows mit guter Stimmung, habt ihr euch schnell einen Namen gemacht. Wie fühlt es sich für euch an, wenn jetzt andere Musiker kommen, die kleinere Konzerte spielen und euch als Fernseh- und Radio-Marionetten sehen?

Stefan: Es ist immer so, dass jüngere Bands die etablierteren grundsätzlich etwas skeptisch betrachten. Das haben wir auch so gemacht. Dies, weil es ein ziemlicher Schritt ist. Zu Beginn motzt man, bis man angekommen ist und auch Freude hat. Für uns ist das jedoch etwas weniger wichtig geworden, was andere Musiker über uns denken. Ich glaube das hat auch mit dem Alter zu tun. Zudem sind wir sind so beschäftigt damit, unser Ding gut zu machen, dass wir fast nicht nach links und rechts schauen können. Wenn du mit 20 Musik machst, schaust du immer, was die anderen machen und du fragst dich, ob du im ganzen Kuchen richtig platziert bist. Das würden wir glaube ich auch noch immer machen, wenn wir viel Zeit hätten. Wenn wir uns aber heute zur Probe treffen, machen wir das auch viel konzentrierter. Unser Beispiel zeigt einfach: Wenn du längere Zeit dasselbe machst und daran glaubst, kann es gut kommen.

Christoph: Was noch dazukommt, und darum merken wir es wahrscheinlich gar nicht so, ist dass wir uns gar nicht so sehr in dieser Szene bewegen. Wir kamen von Luzern nach Zürich und sind nicht in dieser Szene aufgewachsen. Deshalb dringt das gar nicht wirklich bis zu uns durch.

Stefan: Das Wichtigste ist für uns, dass wir selbst mit dem Produkt happy sind. Wir haben uns ein Jahr lang mit diesem Album auseinander gesetzt. Mit jedem Song. Ich schreibe sie zwar, aber sie gehen durch einen extrem demokratischen Prozess in der Band. Alle Musiker können zu hundert Prozent hinter jedem Song stehen. So bist du relativ gut gegen alles was von extern kommt geimpft. Es gibt immer schlechte Album-Kritiken. Das macht auch immer weh, aber wenn man zur Sache stehen kann, ist es viel weniger schlimm.

«Heicho» war der Song, über den wir uns am meisten unterhalten haben. Wir wollten nie eine Heimat-Band sein, mit Bergen und allem.
Es hat ja auch nichts damit zu tun, aber der Titel klingt nun mal so.Stefan Buck, Hecht

Indiespect: Auffallend sind auch die erwachseneren Themen der Texte. Möchtet ihr damit auch noch ein anderes, erwachseneres Publikum erreichen?

Stefan: Ich bin einfach auch erwachsener geworden. Es ist jetzt drei Jahre her, seit Adam & Eva rauskam. Du entwickelst dich natürlich auch persönlich. Wenn du zuhause an einem Song arbeitest, fragst du dich, ob du jetzt noch einmal in den See springen sollst. Nein, ich bin jetzt gerade nicht mehr am See springen, sondern bin auf der Picknick-Decke in Stockholm  – und genau so ist es richtig. Als ich See springe gesungen habe, habe ich das wirklich genau so gemeint. Bei Charlotta und Adam & Eva ebenso. Jetzt bin ich vielleicht etwas an einem anderen Punkt. Das Schöne ist, dass wir in der Band alle gleich alt sind. Ausser der Schlagzeuger, deshalb nennen wir ihn auch Baby-Hecht. Aber er ist auch im gleichen Beziehungsstatus. Deshalb können sich die anderen auch damit identifizieren. Wenn ich singen würde, dass ich angekommen und heimgekommen bin, die anderen sind aber jeden Tag auf der Gasse, würden die sagen: Ich und angekommen?

Indiespect: Du sprichst von «Heicho». Das ist wirklich einen Top-Song.

Stefan: Das ist gut, dass du uns ein Feedback zu diesem Song gibst. Wir sind nämlich heute eine Studie am führen, welcher Song unsere nächste Single werden soll.

Indiespect: Das ist definitiv der richtige Track!

Stefan: Das haben wir auch das Gefühl. So einen haben wir noch gar nie gemacht. Entweder liegen sich die Leute dann wirklich in den Armen oder sie finden es mega cheesy. Mich nimmt es wirklich Wunder, was die Leute über diesen Song denken. Also nicht Fans, Fans, Fans. Die finden ja das meiste irgendwie gut. Sondern jemand, der einfach diesen Song auf der CD hört. Heicho war der Song, über den wir uns am meisten unterhalten haben. Wir wollten nie eine Heimat-Band sein, mit Bergen und allem. Es hat ja auch nichts damit zu tun, aber der Titel klingt nun mal so. Das ist eigentlich nicht so ideal, weil man dann an Heicho, ohni Znacht is Bett oder ähnliche Songs denkt. Das ist die erste Hürde. Die zweite ist, dass der Text sehr nahe und authentisch ist. Wir haben manchmal gerne ein Schutzschild gehabt. Wer ist Charlotta? Ja, das weiss niemand so recht. Das behagt uns normalerweise fast besser.

Indiespect: Ihr könnt aus dem Wort «Heicho» jetzt auch eine andere Marke schaffen.

Stefan: Das ist schön, dass du das so sagst. So müssen wir das präsentieren (lacht).

Indiespect: The bianca Story hatten ja auch schon den Song «Coming Home», der nicht von geografischer Heimat per se handelt.

Stefan: Das ist eines meiner Lieblingslieder.

Indiespect: Sie haben damals auch die Fans gefragt, was für sie Heimat oder Heimkommen bedeutet. Da gab es ganz unterschiedliche Antworten.

Stefan: Ich werde ja öfters gefragt, welche meine Lieblings-Songs aus der Schweiz sind. Coming Home ist einer der absoluten Über-Songs. Der bekam viel zu wenig Beachtung. Allgemein ist das eine riesige Band.

Hecht sind mit ihrem Album «Oh Boy» bereits auf dem besten Weg die Charts zu stürmen.

Tracklist

  1. Oh Boy
  2. Surfer
  3. Heicho
  4. Kingsize
  5. Verlore Im Meer
  6. Locherguet
  7. Kawasaki
  8. Stockholm
  9. Radio Beromünster
  10. Sonesweichshärz
  11. Erschti Tag Vo Mim Läbe
  12. Klavier & Bier

Indiespect: Mal was ganz anderes. Zum Thema Choreografien. Im letzten Interview hast du gesagt, dass ihr euch mit euren Ideen manchmal selber quält, ihr mit dem Resultat dafür umso glücklicher seid. Ist das bei den Choreografien auch der Fall?

Christoph: Es ist extrem so bei den Choreos. Nur einer von uns hat ein bisschen Talent dafür – das ist Philipp, unser Bassist. Dem macht das auch richtig Spass. Er ist immer an vorderster Front, wenn es um neue Moves geht. Speziell für mich ist es hartes Training.

Stefan: Es war überhaupt nicht der Plan, dass wir wieder etwas mit Tanzen machen. In einem Video kannst du zusammen Musik machen, aber jeder weiss, es ist nur Playback. Für uns ist es wichtig, dass der Band-Groove ins Zentrum gestellt wird. Wir sind Freunde und machen zusammen dieses Ding. Wir wollen nicht einen Frontmann in den Vordergrund stellen, der alles macht und die Anderen sind im Hintergrund. Mit Tanzen ist es gut zu lösen, die Band in den Fokus zu rücken. Einer tanzt etwas besser und bei einem sieht es etwas lustiger aus, als beim anderen. Zusammen zeigt es den Menschen jedoch relativ schnell, dass wir das nicht zusammen üben könnten, wenn wir uns nicht gut miteinander verstehen würden. Als Einzelkünstler kannst du deine vier Musiker nicht fragen, ob sie auch bei deinem Tanz mitmachen. Weil es nicht mehr so viele Bands gibt, geben wir uns diesen Boygroup-Groove.

Indiespect: Woran denkst du liegt es, dass es immer mehr Solo-Künstler gibt?

Stefan: Das kann ich empirisch bewiesen behaupten: Eine Band zu haben, ist etwas vom komplexesten, das es gibt. Sie über längere Zeit bei Laune zu halten, mit fünf Individuen. Diese gehen durch fünf Leben, sie haben fünf Beziehungen neben der Band und fünf Vorstellungen wie alles sein soll. Das auf einen Punkt zu bringen und das über Jahre, ist aus meiner Sicht die grösste Leistung, die Hecht jemals erbracht hat. Album und Songs schreiben ist nichts dagegen. Wie bestimmst du Dinge demokratisch? Was machst du mit Geld? Was mit Rampenlicht? Deswegen gibt es auch nicht so viele Bands. Mit 20 trifft man sich, man hat eine geile Zeit und die ersten Erfolge. Die Mädchen jubeln dir zu und jedem gefällt das. Dann geht es weiter und die Mitglieder beginnen ein Studium oder ähnliches. So viel unglaublich gute Bands verlieren sich genau in diesem Moment.

Indiespect: So einen Moment gab es bei euch nie?

Stefan: Zwei Jahre haben wir nicht mehr richtig Musik gemacht.

Chrigu: Bevor es richtig losging.

Stefan: Wir haben aber natürlich immer Bier getrunken. So haben wir den Zusammenhalt gefördert und anschliessend Hecht in Angriff genommen.

Hecht (von links nach rechts).

Philipp Morscher: Bass
Christoph Schröter: Gitarre
Stefan Buck: Gesang, Gitarre
Daniel Gisler: Tasten
Chris Filter: Schlagzeug

© Tabea Hüberli