The Wombats verwandeln das Plaza Zürich in einen Tanztempel der Freude

In Reviewsby indiespect

The Wombats: Beautiful People will ruin your life

Vor ziemlich genau drei Jahren waren The Wombats zuletzt für eine Club-Show in Zürich zu Gast. Damals spielten sie mit ihrem Album Glitterbug ein Konzert im X-TRA. Im Februar 2018 kam das mittlerweile vierte Studioalbum mit dem Titel Beautiful People Will Ruin Your Life auf den Markt. Die Liverpooler haben auch auf der neusten Veröffentlichung nicht verlernt, eingängige und tanzbare Indie-Hymnen zu schreiben. Kein Wunder also, dass das gestrige Konzert im Plaza Klub bereits seit längerer Zeit ausverkauft war.

The Night Café

Die beiden Support-Acts: The Night Café aus Liverpool…

The Magic Gang

…und The Magic Gang aus Brighton.

The Night Café und The Magic Gang: Zwei Support-Acts sollen es sein.

Nicht nur das The im Bandnamen scheint bei englischen Indie-Bands ein Muss zu sein, sondern auch die Verpflichtung von zwei Vorbands. The Night Café aus der Heimatstadt der Wombats machen den Anfang, gefolgt von The Magic Gang aus Brighton. Beide Bands setzen dabei auf den klassischen Indie-Rock. Die Zeiten in denen man damit riesige Erfolge feiern konnte, sind mittlerweile vorbei. Durch die verminderte Erfolgshaltung hat das Genre dafür wieder an Charme gewonnen. Mit knackigen 30-Minuten-Sets überzeugen beide Bands im immer voller werdenden Plaza.

An Gitarren mangelte es The Wombats nicht.

The Wombats drücken den Party-Knopf

Seit Veröffentlichung des Debüts The Wombats Proudly Present: A Guide to Love, Loss & Desperation (2007) haben die drei Liverpooler die magische Formel für ihren unverwechselbaren Indie-Disco-Sound gefunden. Was mit Let’s Dance To Joy Devision begann, funktioniert mit Songs wie Lemon To A Knife Fight bis heute. Die Kompositionen schweben textlich noch immer zwischen Party, Hangover und komplettem Nonsens. Mit Cheetah Tongue, dem Opener des aktuellen Albums, legt das Trio los. Sofort wird im Publikum ein Schalter umgelegt – der Party-Modus ist aktiviert. Textsicher und sich verausgabend ist das ausverkaufte Plaza sofort im Wombats-Rausch. Bei den ersten vier Songs arbeitet sich die Band gekonnt rückwärts durch ihre Alben. Es folgt Give Me A Try von Glitterbug (2015), 1996 von This Modern Glitch (2011) und Kill The Director vom Debüt. Spätestens hier wird jedes Wort mitgesungen.

The Wombats

Ein Eichhörnchen, wo eigentlich ein Wombat sein sollte.

Flamingos, Emoticons und Zitronen

Sänger Matthew Murphy entschuldigt sich gleich zu Beginn für seine noch immer andauernde Erkältung. Zwischen den einzelnen Stücken nimmt er statt einem Bier deswegen lieber ein Taschentuch zur Hand. Während den Songs lässt er sich jedoch nichts anmerken. Seine Stimme klingt kräftig und klar. Neben ihm hüpft Bassist Tord Øverland-Knudsen wie ein glückliches Eichhörnchen auf und ab. Passend dazu steht auf der Bass-Drum von Schlagzeuger Dan Haggis ein Plüsch-Eichhörnchen. Eventuell ein Indiz, dass die Bald sich bald in The Squirrels umbenennen möchte. Oder ein Plüsch-Wombat ist einfach schwierig zu finden.

The Wombats

Voller Einsatz trotz Erkältung. Matthew Murphy gibt alles.

Nach den neuen Stücken Black Flamingo und White Eyes geht es inhaltlich direkt in den Club, um halb vier Uhr morgens. Techno Fan ist einer dieser Songs, der beim Publikum die Energie in die Beine treibt. Die Aufforderung Shut up and move with me, move with me, or, or get out of my face muss den Zuschauern nicht zweimal gesagt werden. Schon vor dem momentanen Ausmass des Emoticon-Wahns haben The Wombats dazu die passende Hymne geschrieben. Nach dieser soll der Bass gegen eine Akustikgitarre getauscht werden – für ein Lied über Zitronen. Doch die Technik will nicht so richtig. Charmant überbrücken die Engländer die daraus resultierende Pause. Murphy erklärt jenen, die noch nie an einem Wombats-Konzert gewesen sind, dass  dies so ziemlich die Essenz der Band sei. Es darf also auch mal etwas schief laufen. The Wombats bieten keine ausgefeilte Show mit aufwändigen Visuals oder anderen Stilelementen, sondern einfach ansteckend gute Musik. Kurzerhand wird die Set-Reihenfolge getauscht. So folgt erst I Don’t Know Why I Like You, bevor die Band mit Zitronen in einen Messerkampf zieht. Definitiv ist dies der Publikumsliebling ab dem neusten Album. Zwei Besucher sind sogar passend mit Gummimesser und Zitrone ausgerüstet.

The Wombats

Lemon to a knife fight. Zwei Fans nehmen es wörtlich.

Passenderweise folgt nun das Produkt aus der Frucht. Pink Lemonade bringt an diesem Mittwochabend wieder die Ausgeh-Stimmung ins Plaza. Anschliessend folgt mit Jump Into The Fog und Moving To New York ein Doppelpack voller Schlagkraft. Hier werden sich die Kehlen heiser gesungen und wie wild gehüpft. Nur selten lässt Murphy das Publikum seine Gesangs-Parts übernehmen, zu gerne scheint er die Songs noch immer selber zu singen. Wenn er es jedoch trotzdem mal tut, sind die Zuschauer sofort zur Stelle. Und das in einer Lautstärke, die man in Zürich eher selten hört.

Let’s Dance To Joy Devision

Bereits vor den Zugaben haut das Trio nach Lethal Combination ihr Meisterstück Let’s Dance To Joy Division raus. Mit einem solchen Song im Repertoire hat man eigentlich schon gewonnen. Seit der Veröffentlichung hat man ihn unzählige Male gehört, aber verleidet ist er einem trotzdem nie. Bereits als The Wombats die Bühne verlassen, kündigen sie ihre baldige Rückkehr an. Die Alibi-Übung überbrücken die Fans mit ausgelassenem Applaus. Mit drei Zugaben, bestehend aus Turn, Tokyo (Vampires & Wolves) sowie Greek Tragedy verabschieden sich die Musiker in die Nacht. Noch einmal werden die letzten Energie-Reserven angezapft, bevor das Disco-Workout zu Ende geht.

The Wombats

Fazit

Wie eingangs geschrieben, ist ein Konzert von The Wombats selten mit Überraschungen gespickt. Es gibt keine atemberaubenden Visuals oder Bühnenshows. Stattdessen zeigen drei leidenschaftliche Musiker was eine richtige Band musikalisch auf dem Kasten hat. Die Songs sind so energiegeladen und tanzbar, dass alles andere überflüssig wird. Mögen uns die Beutelmäuse noch viele Jahre mit ihrer Musik beschenken.

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