Openair St. Gallen 2018:
Der Freitag mit Johnossi, Editors und bestem Festivalwetter

In Reviewsby indiespect

Openair St. Gallen 2018: Traumwetter am Festival-Freitag

Es ist eigenartig, dass das diesjährige Openair St. Gallen nicht ausverkauft ist. Ein solches Traumwetter gibt es im Sittertobel zu dieser Jahreszeit äusserst selten. Es ist kaum wiederzuerkennen mit grünen Wiesen statt braunem Schlamm. Dazu ist das Line-Up gespickt mit tollen Bands wie Johnossi, Editors, Nothing But Thieves, Depeche Mode oder The Killers. Die Anreise ab dem Bahnhof in St. Gallen verläuft reibungslos. Alles ist schön beschildert. Nach dem Bändeltausch stehen zwei Shuttlebusse hintereinander bereit, um die Besucher auf das Gelände zu bringen. Auch auf dem Gelände selbst, hat sich erfreulicherweise wenig verändert. Die Kapazität der Sternenbühne wurde erweitert, keine schlechte Sache. Aber das Festival hat seinen Charme behalten. Die Essenststände sind individuell und der Zeltplatz ist nach wie vor direkt im Festivalgelände integriert. Was beim Southside Festival in Sachen Vereinheitlichung etwas gestört hat, konnte beim Openair St. Gallen zum Glück seinen Charme behalten.

Im Bacardi Dome tummeln sich wie seit jeher die Festivalbesucher, welche den Fokus eindeutig auf anderes als Konzerte legen. Für alle anderen gibt es auf der Sitter- und der Sternenbühne spannende Bands zu sehen.

Johnossi

Die Leuchtqualle wurde beim Johnossi-Auftritt zum vierten Bandmitglied.

Johnossi lockt die Massen in die neue Sternenbühne

Das Schwedische Indie-Rock-Duo steht um 20.15 auf der Sternenbühne. Diese ist zum Konzertbeginn gut gefüllt. John Engelbert und Oskar (Ossi) Bonde geniessen einen exzellenten Ruf als Liveband und haben auch so manchen Festivalhit in Petto. Im Gegensatz zu einer eigenen Show der Bands, sind es an Festivals vor allem die Gassenhauer die richtig zünden.

So finden auch Songs wie Party With My Pain, 18 Karat Gold und im Speziellen Man Must Dance grossen Anklang beim Publikum. Jedoch bringen die Schweden etwas weniger Power auf die Bühne, als man es von ihnen gewohnt ist. Das mag an der Müdigkeit liegen. Denn bereits um 4.30 Uhr morgens hat John Engelbert eine Instagram-Story geteilt, bei welcher die Band im Auto bei Sonnenaufgang richtig St. Gallen fährt. Ein anderer Grund könnte aber tatsächlich die vergrösserte Sternenbühne sein, in welcher der etwas intimere Rahmen fehlt, der in den früheren Jahren gegeben war.

Editors

Ein Fan weht leidenschaftlich seine Editors-Fahne.

Editors: Rückkehr ins Sittertobel nach 9 Jahren

Die Editors waren erst zweimal am Openair St. Gallen zu Gast. Der erste Auftritt fand 2006 statt, der bis dato letzte im Jahre 2009. Damals spielten sie am letzten Festivaltag direkt vor dem Headliner Mando Diao. Bei der Zugabe, dem damals noch unveröffentlichten Papillon wurde mitten im Song der Stecker gezogen. Die Editors waren gezwungen ohne richtigen Abschluss die Bühne zu verlassen. Sie machten ihrem Unmut Luft, indem sie die Instrumente auf die Bühne warfen und sich kurz angebunden verabschiedeten. Daran konnte sich Ed Lay bei unserem Interview zwar nicht mehr erinnern, aber es schien beinahe als ob sich Band und Openair St. Gallen seither mieden.

Den Zwischenfall vom Openair St. Gallen 2009 gibt es im Video noch einmal zu sehen.

Editors kämpfen in der Schweiz mit Widrigkeiten

Auch bei ihrem Auftritt im April, damals im Komplex 457 in Zürich, hatte die Band mit Widrigkeiten zu kämpfen. Die Ventilation in der Location funktionierte nicht. Das hinterliess bei den Besuchern einen faden Nachgeschmack, was auch Tage später noch auf der Facebook-Seite der Veranstalters für negative Kommentare sorgte. Das sollte sich an diesem Freitagabend nicht wiederholen.

Editors

Die Sitterbühne ist noch immer ein Markenzeichen des Openair St. Gallen

Um 21.15 betreten die Editors dieselbe Bühne wie 2009. Die Temperaturen sind perfekt, die Abendstimmung wunderschön. Mit Cold, dem Opener des neusten Albums Violence eröffnen sie kraftvoll ihr Set. Etwas weiter von der Bühne entfernt ist der Sound kristallklar und perfekt abgemischt. Später liest man im Live-Ticker von 20 Minuten, dass der Bass in den vorderen Reihen einem beinahe die Haare vom Kopf gefegt haben soll. Die Setlist lässt keine Wünsche offen. Reduced to the max würde es in der Werbung heissen. Hits wie An End Has a Start folgen auf Songs wie Halleluja (So Low) und Smokers Outside the Hospital Doors. Auch das in den letzten drei Jahren nur einmal gespielte Bricks and Mortar findet seinen Weg zurück auf die Bühne.

Editors

Das Editors-Backdrop ziert das Artwork des Albums «Violence» vom Künstler Rahi Rezvani.

Tom Smith: Ein «Dankaschön» nach jedem Song

Die Engländer scheinen sich sichtlich wohl zu fühlen. Nach jedem Song bedankt sich Sänger Tom Smith mit einem charmanten «dankaschön». Die Abendstimmung wird mit jeder Minute herrlicher und das Publikum tanzt, als würde bereits der Headliner auf der Bühne stehen. Ein gesangliches Highlight ist wie immer der Song Sugar. Die Publikumsbeteiligung bei dessen Refrain wird nur noch von Papillon übertroffen. Der Song, der 2009 ungewollt halb-akustisch und unvollendet performt wurde, bringt jeden Besucher zum springen. Das Sittertobel tanzt sich die Seele aus dem Leib, wenn Smith and it kicks like a sleep twitch in die Menge ruft. Was Insomnia von Faithless mit den Worten I can’t get no sleep starten, das schaffen Editors gleichwohl mit diesen Zeilen. Als Abschluss gibt es mit Magazine einen weiteren Hit ab dem grossartigen neuen Album Violence auf die Ohren. Eins steht fest: die Editors hätten es verdient, mal ganz oben auf dem Line-Up zu stehen.

Editors

Sind wieder Freunde: Das Openair St. Gallen und Editors.

Fazit

Zugegeben, es war eher ein Kurzbesuch, als das richtige Openair-Feeling. Aber die zwei Konzerte von Johnossi und Editors waren die perfekte Kombination für einen Freitagabend. Dass das Wetter noch so mitspielte, trug sicher auch seinen Teil dazu, dass die Stimmung grossartig war. Bleibt zu hoffen, dass Depeche Mode und The Killers auch zu Höchstform auflaufen.