Adam Angst im Werk 21: Eine Bestie namens Schönfuss in Zürich

In Reviewsby indiespect

Neintology-Session in Zürich

Neintology hat gestern Abend zur Gruppensitzung im Dynamo geladen. Die Gemeinschaft um Sänger Felix Schönfuss lockte dabei zahlreiche Jünger ins kuschelige Werk 21. Mit ihren politischen Texten und der aggressiven Grundstimmung haben Adam Angst auf ihrem zweiten Album einen Nerv getroffen. Die Konzerte in Deutschland sind ausverkauft oder mussten in grössere Clubs hochverlegt werden. Die fünf Musiker arbeiten trotzdem alle Vollzeit in einem bürgerlichen Beruf. Nur auf Tour lassen sie den Alltag auf den Bühnen weit hinter sich. Auch das Werk 21 dürfte knapp ausverkauft gewesen sein.

Tusq

Tusq eröffnen verhältnissmässig sanft für Adam Angst.

Textkenntnisse von Vorteil

Der Support-Act Tusq aus Hamburg und Berlin sorgt für einen vergleichsweise sanften Einstieg in den Abend. Die englischen Texte hallen klar und verständlich aus den Boxen. Dass das im weiteren Verlauf nicht so bleibt, wird ziemlich schnell klar. Adam Angst betreten zum Klang des neusten Openers die Bühne. Wie auf dem Album Neintology geht dieser direkt in das ironische Punk über. Und da geht es los, wie ein Faustschlag ins Gesicht. Wie eine Bestie schreit Schönfuss in sein Mikrofon. Eigentlich dürfte er mit dieser Verausgabung keine zwei Konzerte überstehen dürfen. Doch so laut er auch schreit, so unverständlich sind dennoch seine Worte. Denn er wird, zumindest in den vorderen Reihen, beinahe komplett von den Instrumenten überdeckt. Zum Glück kennen die Schweizer Fans scheinbar alle Texte auswendig und können trotzdem wortstark mitsingen. Leider verliert die Performance dadurch musikalisch jedoch etwas an Dynamik – es ist einfach nur laut.

Adam Angst

Wild und sanft innert Sekunden. Felix Schönfuss kann am Mikrofon ganz schön angsteinflössend wirken.

Felix Schönfuss – Dr. Jekyll and Mr. Hyde

So aggressiv der Gesichtsausdruck beim Singen ist, so schnell wird er zwischen den Songs sanft. Bei den Ansagen packt Sänger Felix Schönfuss sein schönstes Lächeln aus und überhäuft das Zürcher Volk mit netten Worten. Die klanglichen Mängel, werden mit einer unbändigen Energie kompensiert. Der Wochentag ist innert Sekunden vergessen, der gesamte Raum springt und johlt im Takt. Schön bunt ist die Mischung der beiden bisher veröffentlichten Alben. Doch das selbstbetitelte Debüt hat noch immer Oberhand. Dies liegt wahrscheinlich auch daran, dass die Band beim Schaffensprozess des Nachfolgers nicht sonderlich auf die Machbarkeit einer Live-Umsetzung geachtet hat.

Er kann es doch! Da ist ein Lächeln auf den Lippen.

Alexa mit einem Gastauftritt

Nachdem bei Immer noch die Ausserirdischen der Menschheit bei der Selbstzerstörung zugeschaut haben, übernimmt bei Alexa der Smart-Speaker die Weltherrschaft. Mit einem Augenzwinkern spinnen Adam Angst dabei ein Horror-Szenario, welches mit unserem unbedachten Umgang mit modernen Technologien in Zusammenhang steht. Nach dem Track erklingt sogar die vertraute Stimme von Alexa, die nach den Song-Wünschen des Publikums fragt. Nach einigen Kommunikationsschwierigkeiten erteilt sie der Band den entsprechenden Auftrag: Adam Angst, bitte spiele «Alle sprechen Deutsch». Hier wird der ignorante Tourist ins Visier genommen, dem egal ist, wie es in einem Land aussieht. Hauptsache alle sprechen deutsch und er bekommt das gleiche Essen wie zuhause, nur günstiger.

Weiterhin zeichnen Adam Angst ein düsteres Bild. Dabei bleibt es zum Glück immer wild und laut. Mit Blase aus Beton, Professoren und Wir werden alle sterben wird das Tempo sogar noch angekurbelt.

Adam Angst beschwören ihre Fans.

Die Auferstehung von Jesus Christus

Nach dem offiziellen Set lässt sich die Band nicht lange bitten. Mit Jesus Christus kehrt sie theatralisch auf die Bühne zurück. Der Heiland ist auf Rache aus, doch wird bei seiner Auferstehung von Social Media mit seinen Klicks und Likes geblendet. Bei Splitter von Granaten fragt man sich immer wieder, wann Schönfuss eigentlich Luft holen kann oder ob er doch Kiemen besitzt. Das Wortfeuerwerk bei diesem Song ist gewaltig. Zum Glück darf er nach dem abschliessenden Fu Manchu-Cover Frieda und die Bomben seine Stimme endlich ein wenig schonen. Da wird man nur vom Hinsehen schon etwas heiser.

Die Pose des Heilands sitzt.

Fazit

Adam Angst haben von Anfang bis Ende Vollgas gegeben. Zu Bemängeln ist eigentlich nur die Akustik. Die Texte sind ein wichtiger Bestandteil der Band und diese gingen in der Lautstärke grösstenteils unter. Zum Glück gibt es die Alben, damit man alle Songs nachhören kann.