The Wombats und Circa Waves in Solothurn:
Zwei Genre-Grössen geben sich im Kofmehl die Ehre

In Reviewsby indiespect

Im Kofmehl Solothurn geht das Wochenende in die Verlängerung

Wer das Wochenende noch nicht ganz hinter sich lassen konnte, der hatte gestern die Möglichkeit gemeinsam mit The Wombats und Circa Waves in die Verlängerung zu gehen. Die beiden Liverpooler Bands teilten sich in Solothurn die Bühne. Diese hochkarätige Kombination lockte selbst an diesem grauen und nasskalten Montagabend zahlreiche Fans ins Kofmehl.

Circa Waves

Circa Waves sind der eigentlich zu grosse Namen für einen Support-Act

Circa Waves als Support-Act: Eine ungewohnte Erfahrung

Den Auftakt macht die junge Band BLOXX. Mit der kräftigen Stimme der Frontfrau Ophelia Booth sorgen die Engländer, die mit Circa Waves und The Wombats das Management teilen, für einen harmonischen Einstieg. Das relativ kurze Set bestreiten die Newcomer bereits in einem gut gefüllten Kofmehl. Nach einer kurzen Pause betreten um 20.15 Uhr Circa Waves die Bühne. Sänger Kieran Shudall und seine Jungs haben in den vergangenen fünf Jahren einiges an Bühnenerfahrung gesammelt. Das spürt man bereits bei den ersten Takten ihres Album-Openers Wake Up von Different Creatures.Am 5. April erscheint das dritte Album der Liverpooler, welches wiederum viel Abwechslung und Neuerungen verspricht. Allzu viel davon geben die vier Engländer jedoch noch nicht preis. Nur zwei der bereits veröffentlichten Songs, nämlich Movies und Be Somebody Good gibt es zu hören. Circa Waves spielen in ihrer Heimat bereits regelmässig grosse Headliner-Shows, deshalb mutet es beinahe merkwürdig an, sie in der Funktion eines Support-Acts zu sehen. Doch hierzulande sind eigene Shows noch rar gesät. Das grösste Konzert von Circa Waves fand im April 2017 im Zürcher Mascotte statt. Dass das erst der Anfang war, davon ist auszugehen. Man spürt den Wille sich immer weiterzuentwickeln und die Fans mit jedem Album aufs Neue zu überraschen und herauszufordern. Die Liverpooler haben grosse Pläne und wollen es ganz nach oben schaffen.

The Wombats

The Wombats: Der Disco-Finger wird in die Höhe gestreckt.

The Wombats: Mit den Duracell-Mäusen bis zur Erschöpfung

Auch The Wombats sind eine Band aus Liverpool. Das Trio hat sich am von Paul McCartney gegründeten Liverpool Institute for Performing Arts kennengelernt. Die Engländer Matthew «Murph» Murphy, Dan Haggis und der Norweger Tord Øverland-Knudsen haben seit ihrem Abschluss die Karriereleiter stetig weiter erklommen. Erst vor wenigen Tagen, am 1. Februar 2019, spielten sie beispielsweise eine ausverkaufte Show in der SSE Arena in Wembley, eine Venue mit einer Kapazität von 12’500 Besuchern. Seit ziemlich genau einem Jahr ist die Band mit ihrem vierten Album Beautiful People Will Ruin Your Life auf Tour. Ihr Set starten sie in Solothurn wie schon im vergangen Jahr im Plaza Zürich mit dessen Opener Cheetah Tongue. Nach dem Einstieg mit BLOXX und Circa Waves braucht es keine Aufwärm-Übungen mehr, um die Fans in Tanzlaune zu versetzen. Energetisch geht es mit Moving To New York und Jump Into The Fog weiter. Das darauf folgende Give Me A Try sorgt dafür, dass bereits nach den ersten vier Songs sämtliche Alben der Liverpooler abgedeckt sind.

Ausgelassene, aber friedliche Stimmung bei The Wombats.

Ein neuer Backdrop und LED-Ringe reichen als Show-Elemente

Wie immer kommen The Wombats mit einer reduzierten Bühnenausstattung aus. Immerhin ein neuer Backdrop und drei LED-Ringe haben sich die Engländer geleistet. Für den Rest sorgen sie mit Bühnenpräsenz und Raumnutzung. Besonders Øverland-Knudsen springt wieder wie ein junges Reh umher. Im Gegensatz zum Konzert in Zürich scheint es an diesem Abend keine technischen Probleme zu geben, als sich der Bassist für Lemon to a Knife Fight die Akustik-Gitarre schnappt. Die Trilogie der Früchte, wie Murphy sie nennt, kommt beim Solothurner Publikum ausgezeichnet an. Sowohl Pink Lemonade als auch das groovige Ice Cream halten die Beine der Fans in Schwung. Mit Bee-Sting findet auch ein nachträglich zum Album hinzugefügter Track seinen Weg ins Set.

Zweitkarriere als Fussballer: Matthew Murphy versenkt einen Ballon direkt unter der Decke.

Altbekannte Publikumslieblinge am laufenden Band

Bei Kill The Director müsste Frontmann Murphy seinen Mund gar nicht aufmachen. Die Fans singen jedes Wort glasklar mit. Das Gleiche gilt für Techno Fan, wo es heisst We use our penguin costumes more than our evening dress. Spätestens jetzt lassen The Wombats keine Verschnaufpause mehr zu. Direkt nacheinander beschliessen sie das reguläre Set mit Your Body Is a Weapon, Tokyo (Vampires & Wolves) und Let’s Dance to Joy Divison. Die Fans sind in Ekstase und springen wild umher. Dabei bleibt die Stimmung stets fröhlich und wird nie aggressiv. Einige neue Show-Elemente haben sich die Engländer für ihr Schluss-Feuerwerk aber doch noch aufgehoben. Bei Tokyo fliegen grosse Ballons von der Galerie in die Zuschauermenge. Natürlich finden diese immer wieder ihren Weg auf die Bühne. Mit einem eleganten Fusstritt befördert Murphy einen davon direkt unter die Decke. Plötzlich betreten zwei in Wombats-Kostüme gekleidete Personen die Bühne und vollführen einen energetischen Tanz . Wer wohl unter der niedlichen Verkleidung steckt?

Plötzlich sind fünf Wombats auf der Bühne.

Alles endet in einer griechischen Tragödie

Als die menschlichen Wombats zusammen mit denjenigen aus Plüsch die Bühne verlassen, werden mit tosendem Applaus Zugaben gefordert. Ganz allein im Scheinwerferlicht singt Matthew Murphy eine akustische Version von Lethal Combination, bevor ihn für Turn seine zwei Mitmusiker wieder tatkräftig unterstützen. Den Abschluss macht mittlerweile traditionsgemäss der Song Greek Tragedy. Zwar dauert das Konzert nicht viel länger als 90 Minuten, doch die Power der drei Jungs aus Liverpool sorgt dafür, dass manch einer keine Energie-Reserven mehr übrig gehabt hätte, um noch länger zu tanzen.

The Wombats

Der Frontmann alleine im Scheinwerferlicht des Kofmehl Solothurn

Fazit

Egal welches Wetter herrscht und welcher Wochentag es ist, The Wombats schaffen es immer wieder aufs Neue ihre Energie auf das Publikum zu übertragen. Ohne grosse Worte oder Animation seitens der Band, entsteht eine wilde Tanzparty. Im März wollen die Liverpooler mit der Arbeit an einem neuen Album beginnen. Es besteht schon jetzt kein Zweifel, dass sie diese Stimmung auch mit neuen Tracks wieder erzeugen werden.