White Lies am ROAM Festival Lugano: Tessiner Premiere im Jubiläumsjahr

In Reviewsby indiespect

Der Charme von kleinen Festivals

Es gibt sie in allen Grössen und Musikrichtungen. Die Festivaldichte in der Schweiz steigt stetig an. Da gibt es einige Perlen, die man erst entdecken muss. So auch das ROAM Festival in Lugano. In unmittelbarer Nähe zum Lago di Maggiore ging dieses Wochenende das kleine Festival im Parco Ciani über die Bühne. Zum Abschluss stand gestern Abend der Auftritt von White Lies auf dem Programm. Aufgrund starker Niederschläge am Nachmittag, wurde die Türöffnung um 90 Minuten nach hinten verschoben. Dafür hielt sich Petrus im Anschluss bis auf wenige Tropfen zurück.

ROAM Festival

Der Regen am Nachmittag sorgte für angenehme Temperaturen am ROAM Festival, direkt an den Ufern des Lago di Maggiore.

White Lies in der Form ihres Lebens

Dieses Jahr feiert To Lose My Life…, das Debütalbum der Engländer 10-jähriges Jubiläum. Mit Hits wie Farewell to the Fairground, Death oder dem Titeltrack To Lose My Life feierten die damals 19-jährigen Musiker grosse Erfolge. Seither hat das Trio vier weitere Studioalben veröffentlicht, zuletzt Five im Februar dieses Jahres. Die musikalische Schwere der ersten Jahre lichtete sich immer weiter und White Lies öffneten sich auch poppigeren Klängen und einem 80s-Einfluss. Seit einer Dekade definieren sie ihren Sound weiter, ohne an Qualität einzubüssen. Auf der Bühne haben sich die Jungs aus Ealing stetig weiterentwickelt und sind 2019 live so stark wie nie zuvor. Das stellen sie auch bei ihrem ersten Auftritt im Tessin unter Beweis.

White Lies

White Lies bringen Farbe ans ROAM Festival in Lugano.

Harry McVeigh :
der Strahlemann mit dem dunklen Gesang

Eröffnet wird das Konzert um 21.30 Uhr mit Time to Give, dem Opener von Five. Das Stück ist mit seinen über sieben Minuten alles andere als radiotauglich. Er zeigt das Selbstbewusstsein von White Lies. Anstatt die Musik in eine vorgegebene Form bringen zu wollen, wird jedem Song die Zeit gegeben, die er verdient. Weiter geht es direkt mit Fairwell to the Fairground, einem Fan-Liebling aus den Anfangstagen. Sänger Harry McVeigh strahlt auf der Bühne wie selten zuvor. White Lies sind sich mittlerweile grössere Shows gewohnt, doch die Umgebung und die Leidenschaft des kleinen ROAM Festivals scheinen sein Herz zu berühren. Neben dem Tod ist die Liebe ein weiterer Schwerpunkt der Band. Mit There Goes Our Love Again und Is My Love Enough folgen gleich zwei Kompositionen aus dem Kosmos der Liebe.

White Lies

Pure Leidenschaft bei Harry McVeigh.

Ein beneidenswertes Repertoire

Die schön zusammengestellte Setlist zeigt vor allem eins – White Lies haben einen unerschöpflichen Fundus an fantastischen Songs. Die Engländer haben es wie kaum eine andere Band geschafft, auf jedem bisher veröffentlichten Album zahlreiche Highlight-Tracks unterzubringen. So spielen sie sich auch in Lugano quer durch die Zeit. Richtig gelitten wird bei der ersten jemals veröffentlichten Single. Unfinished Business darf bei keinem White-Lies-Konzert fehlen. Nach Jo? vom neuen Album folgen mit Don’t Want to Feel It All und Take It Out on Me zwei Tracks vom Vorgänger Friends (2016).

White Lies

Er ist verantwortlich für die Texte von White Lies: Bassist Charles Cave

Kleine Kostprobe der Jubiläumskonzerte
zu «To Lose My Life…»

Gegen Ende des Jahres zelebrieren White Lies das 10-jährige Jubiläum ihres Erfolgsdebüt mit einer speziellen Tour, auf welcher es das komplette Album, weitere Hits und seltene B-Seiten zu hören gibt. Als kleines Vorab-Geschenk spielen sie am ROAM Festival das rar gewordene Stück E.S.T. – ein wahrer Genuss und eine erfreuliche Überraschung. Es folgt Big TV, der titelgebende Track vom dritten Album der Londoner. Passend zum Titel des anschliessenden neuen Songs Kick Me startet das Trio mit tatkräftiger Unterstützung von Live-Keyboarder Tommy Bowen noch einmal richtig durch. Death, Tokyo und To Lose My Life heissen die Songs, die White Lies dem Tessiner Publikum um die Ohren schlagen. Ein ekstatischer Abschluss des regulären Sets.

White Lies

Das Licht sorgt für magische Momente am ROAM Festival

We’ve got a couple more for you

Als die Musiker von White Lies von der Bühne gehen, fordert sie ein wohlverdienter Applaus so lange zurück, bis sie schliesslich wieder im Scheinwerferlicht stehen. Mit einem der meist verwendeten Frontmann-Sätze, nämlich we’ve got a couple more for you, starten White Lies in die Ehrenrunde. Den Anfang macht Fire and Wings, der Abschluss-Track des neuen Albums. Die Band selbst beschreibt den Song als bisher einmalig in der Geschichte von White Lies. Er enthält er im Mittelteil die härteste Instrumentierung, die Harry McVeigh, Charles Cave und Jack Lawrence-Brown je geschrieben haben. Der wunderschöne Parco Ciani mit seinen prächtigen Bäumen wird in magisches Licht getaucht, während die Musiker alles aus ihren Instrumenten holen. Den Abschluss macht traditionell Bigger Than Us, der einzige Song des zweiten Albums Ritual (2011).

White Lies

Komplett verausgabt holen sich White Lies den verdienten Applaus zum Ende des Auftritts ab.

Fazit

Die White Lies boten in Lugano den perfekten Abschluss des ROAM Festivals. Im gemütlichen Park schienen sich die Engländer sichtlich wohl zu fühlen. Nebst perfekter Abmischung sorgte vor allem die sichtbare Spielfreude und eine gut gemischte Setlist für einen magischen Konzertabend. Bei einer solchen Kombination hält sogar Petrus den Atem an und stoppt den Regen. White Lies sind in Topform und man kann sich auf ihre Jubiläumskonzerte in diesem Jahr spielen. Mit dieser kommen sie auch in die Schweiz. Am Montag, 18. November 2019 spielen sie im Kofmehl Solothurn. Tickets gibt es hier.