José González in Winterthur:
Ein Mann und seine Gitarre füllen das Salzhaus

In Reviewsby indiespect

José González: Ein Meister seines Fachs

Es gibt sie mittlerweile wie Sand am Meer. Gefühlt jeder, der eine Gitarre zu Hause hat, sucht seinen Weg auf die Bühne. Gemütlich im Wohnzimmer hört sich die Musik von Singer-Songwritern ausgezeichnet, doch so mancher kämpft mit dem Live-Auftritt. Es braucht viel, damit man ein Publikum mit ruhigen Kompositionen packen kann. Mit José González war gestern ein Meister in dieser Disziplin für einen Auftritt im Salzhaus Winterthur zu Besuch. Mit seiner Band Junip spielte er hier schon vor fünf Jahren – gestern war er alleine angereist.

Manon

Manon als Support von José González.

Manon: Singer-Songwriter 2.0

Den Support für den Schweden übernehmen Manon. Dies ist ein Solo-Projekt der Schweizer Sängerin Manon Schlittler, welche bei ihrem Auftritt von einem Gitarristen und einer Cellistin begleitet wird. Ihre Musik wird live zu einer ungewohnten Klangerfahrung. Alleine die Instrumentierung sorgt für einen interessanten und aussergewöhnlichen Einstieg in den Abend. Die naturverbundenen Songs sind inspiriert von Landschaften, dem Meer und der Schönheit von Island. Manon kämpfen gegen Ende mit dem eingangs erwähnten Problem, dass die Aufmerksamkeit der Besucher bei ruhiger Musik, in einem solchen Rahmen, eher abnimmt. Wo am Anfang noch interessiert und leise zugehört wurde, wird der Geräuschpegel immer stärker an. Manon veröffentlicht diesen Freitag, am 25. Oktober 2019, ihr Album Streams.

José González

José González hat eine Bühne auf der Bühne.

José González: Der Saiten-Virtuose zieht das Salzhaus in seinen Bann

Nicht nur Singer-Songwriter haben es alles andere als einfach, auch Künstler auf Solopfaden müssen oft Abstriche in Kauf nehmen, sobald sie ohne ihre Stammband unterwegs sind. José González scheint dieses Problem nicht zu kennen. Auch wenn er nur mit seiner Akustikgitarre anreist, lockt das die Massen an. Das Salzhaus ist bis ganz hinten dicht gefüllt. Die Fans sind vorwiegend paarweise erschienen, um der träumerischen Musik von González zu lauschen. Der sympathische Musiker setzt sich kurz nach 21 Uhr auf den etwas erhöhten Stuhl und eröffnet mit With the Ink of a Ghost sein Set. Die Gitarrenklänge mischen sich mit seiner warmen Stimme und lassen den ganzen Raum verstummen – alle hören wie gebannt zu.

José González

José González zupft seine Gitarre als wäre es das leichteste der Welt.

Kein Mann der grossen Worte

Zwischen den Songs lächelt der bärtige Sänger zufrieden und bedankt sich herzlich. Danach leitet er meist mit einer kurzen Anekdote den nächsten Titel ein. Spontane Zwischenjubel sind an diesem Abend nicht selten und sie wirken durch die Ruhe der Musik noch stärker. Solo-Kompositionen werden gemischt mit Covers wie Blackbird von den Beatles oder dem Cello Song von Nick Drake. Mit Line of Fire schafft es auch ein Junip-Klassiker ins Set.

Auch mit seiner Band Junip hat José González zahlreiche vertraute Kompositionen geschrieben.

Wenn das Hemd zur Bühnenshow wird

Die verträumten Lieder werden nur von einer stimmungsvollen und ebenso sanften Lichtshow untermalt. Ansonsten gibt es auf der Bühne nicht viel Bewegung. So wirkt eine kleine Geste beinahe wie ein grosses Show-Element. Gegen Ende wird es José González zu heiss in seiner schwarzen Jacke, sodass er sie ablegt und das davor etwas versteckte farbenfrohe Hemd zum Vorschein kommt. In dieser Montur biegt er in Richtung Zielgerade ein. Der Schwede kündigt zum Abschluss drei von afrikanischer Musik inspirierte Songs an. Eingeleitet von Afterglow fliessen diese harmonisch ineinander. Nach einer Verbeugung verlässt der Sänger die Bühne und lässt den tosenden Applaus einen Moment wirken. Es steht ausser Frage, dass er für eine Zugabe zurückkehren muss.

José González

Farbenfroh in den Feierabend: José González

Cover-Highlights zum krönenden Abschluss

Als Auftakt der Zugaben präsentiert González den Song Heartbeats des ebenfalls aus Göteborg stammenden, mittlerweile aber aufgelösten, Elektro-Duos The Knife. In der Version von José González fand der Track Verwendung in zahlreichen Serien wie The Blacklist oder Covert Affairs. Der anschliessende Al Green-Klassiker Let’s Stay Together kann jeder Pulp-Fiction-Fan auswendig. Es scheint als wäre dies der endgültige Abschluss, doch der Applaus motiviert den Schweden zu einer weiteren Zugabe. Mit den Worten Since we’re all here anyway – why not? stimmt er zum Ende Teardrop von Massive Attack an. Damit geht ein ruhiger und dennoch sehr intensiver Konzertabend stimmungsvoll zu Ende.

One night to be confused
One night to speed up truth
We had a promise made
Four hands and then away

Heartbeats, The Knife

Fazit

José González ist eine Klasse für sich. Nur mit seiner Stimme und einem virtuosen Gitarrenspiel vermag er es, einen ganzen Raum für sich einzunehmen. Selten war es bei einem derart ruhigen Konzert so still wie beim Göteborger. Mit seiner sympathischen Ausstrahlung und seinen wunderschönen Kompositionen zieht er seinen Fans in den Bann.