Rezension:
The Howl & The Hum – Human Contact

In Album-Tipps, Highlights by indiespect

The Howl & The Hum
  1. Love You Like A Gun
  2. Human Contact
  3. Hall Of Fame
  4. Hostages
  5. Murmur
  6. The Only Boy Racer Left On The Island
  7. Got You On My Side
  8. Until I Found A Rose
  9. A Hotel Song
  10. Smoke
  11. Sweet Fading Silver
  12. 27
  13. Pigs

Künstler: The Howl & The Hum

Album-Titel: Human Contact

VÖ: 29.05.2020

8.5/10

Mit ihrem Debütalbum wollen The Howl & The Hum vor allem eines – dass die Menschen ihre Musik erleben können. Deshalb wurde «Human Contact» trotz der andauernden COVID-19-Pandemie wie geplant am 29. Mai 2020 veröffentlicht. Die junge Band aus York klingt auf ihrem Erstling bereits unfassbar reif und erwachsen. Auf «Human Contact» wechseln sich hynmische Tracks mit leisen Klängen ab. Dabei schwingen Einflüsse wie von The Smiths, White Lies oder auch Radiohead mit.

Interview zum Album

«Human Contact»: Der Name ist Programm

Während andere einen Albumtitel eher willkürlich wählen, ist er bei The Howl & The Hum Programm. Sämtliche Songs des Debüts drehen sich in irgendeiner Form um menschliche Kontakte und die Komplexität der Gefühle. Es ist nicht das Bild einer heilen Liebeswelt, welches die Band aus York zeichnet, vielmehr geht es um Zweifel, Verlustängste und Melancholie. Trotz der eher düsteren Thematik zieht die Platte einen nicht runter, sondern wirkt kraftvoll und anregend.

Track by Track

Mit einem pumpenden Beat startet Love You Like A Gun. Ein ungewöhnlicher Opener, den The Howl & The Hum ganz bewusst an dieser Stelle platziert haben, um die Zuhörer zu überraschen. Entstanden ist der Song aus einer A-Capella-Spur und die Melodie setzt sich lediglich aus Gesang und Perkussion zusammen.

Beim Titeltrack Human Contact wird es hymnisch. Die jungen Musiker aus York haben schon mit ihren Kompositionen verblüfft, als das Debüt noch nicht einmal in Sichtweite war, doch nun haben sie noch einmal eine Schippe draufgelegt. Die durch Live-Auftritte gewonnene Erfahrung der letzten Jahre ist deutlich in die Komposition eingeflossen. Das spürt man in Form von clever platzierten Gitarren-Licks, mitreissenden Bassläufen sowie dem markante Gesang von Sam Griffiths.

Aus dem Staunen kommt man auch bei Hall of Fame nicht raus. Das soll ein Debütalbum sein? Fast nicht zu glauben. So reif klingen die Songs von The Howl & The Hum. Hier verschmelzen Melancholie und Euphorie zu einer stimmigen Einheit. Es schwingen sowohl Klänge von The Smiths wie auch White Lies in der Instrumentierung mit.

Cause I’ve been trying to get my head screwed tight
Away from people, away from life
I don’t know what kind of world I’m from
But it’s not this one, no it’s not this oneHuman Contact, The Howl & The Hum

Eine kurze Verschnaufpause gewährt Hostages. Ruhiger, aber nicht weniger melodisch, fliesst die Nummer vier auf dem Album aus den Boxen. Hostages verlangt förmlich nach einer riesigen Ansammlung von Fans, die mit Feuerzeugen oder zumindest den LED-Lampen der Smartphones in der Hand, den Musikern auf der Bühne entgegen leuchten.

Wieder eher düster und von Beats dominiert wird es bei Murmur. Das Tempo wird zu einem Schleichen gedrosselt, sodass der stimmliche Ausbruch im Refrain noch stärker wirkt. Es ist der souligste Song auf dem Album.

The Only Boy Racer Left On The Island klingt nach Abschied. Die Art von Lied, die einen in der Einsamkeit der Ferne begleiten und eine süssliche Melancholie auslösen kann. Gegen Ende rennt der Track musikalisch mit ausgestreckten Armen dem Sonnenuntergang entgegen, bevor er in gleissendem Licht verschwindet.

I was playing in the mud
Until I found a rose
I was somewhere out at sea
‚Til the light from the lighthouse glowedUntil I Found A Rose, The Howl & The Hum

Eine eher hypnotische Wirkung entfaltet Got You On My Side. Auf Dauer ist diese Hypnose etwas wiederholend und beliebig. Der Song wirkt wie eine Unterbrechung des Albums während das Bühnenbild umgestellt werden muss. Bei einer Länge von über vier Minuten darf man hoffen, dass sich nach dieser Umbaupause etwas Aussergewöhnliches hinter dem Vorhang  verbirgt.

Tatsächlich! Für das wunderschöne Until I Found A Rose hat sich das Warten gelohnt. Hier entsteht beim ersten Hören das wunderbare Gefühl, dass sich der Song perfekt entwickelt. Bei keiner Note hätte die Band in eine andere Richtung abbiegen sollen. Jede Nuance ist harmonisch und der Track funktioniert sowohl ganz leise als auch mit voll aufgedrehter Lautstärke. In jedem Zustand entwickelt er seine Magie.

A Hotel Song bringt wieder schnelleres Tempo ins Album. Auch das ist eine Nummer, mit dem Potenzial grosse Massen zu begeistern. Wenn die Energie bereits in der Studioversion so intensiv spürbar ist, wird sie live noch stärkere Emotionen auslösen. Im Besonderen, wenn The Howl & The Hum nach der langen Konzert-Zwangspause wieder auf der Bühne stehen dürfen.

The Howl & The Hum
© Tess Janssen

Jack Williams, Bradley Blackwell, Sam Griffiths, Conor Hirons (v.l.n.r.)

Zu Beginn klingt Smoke für einen Moment so, als würde es in Pop-Geplänkel abdriften – doch nur für einen kurzen Augenblick. Es entsteht ein herrlich unaufgeregtes Stück. Zwar ohne grosse Wow-Effekte, dafür ehrlich und eingängig.

Die Stärken einer Band zeigen sich auch in den ganz ruhigen Momenten. Einen solchen erschafft Sweet Fading Silver. Die Akustikgitarre untermalt nur ganz sanft und träumerisch den Gesang von Sam Griffiths.

Bei Human Contact ist der Albumtitel nicht zufällig gewählt. Sämtliche Texte drehen sich in einer Form um menschliche Kontakte oder Gefühle. Bei 27 ist dies noch ausgeprägter der Fall. Sam Griffiths hat sich zur Bedeutung des Songs mit folgender Beschreibung geäussert:

Wir alle wollen Eindruck auf andere Menschen machen. Es ist eine kindische Eigenschaft, aber wir wollen, dass andere Menschen an uns denken: Es bestätigt unsere Existenz. «27» erforscht die Kleinlichkeit und Bitterkeit dieser Eigenschaft, indem es zwei Szenen heraufbeschwört: die Sekunde, in der die Person, die man liebt, weggeht, und Jahre später, wenn diese Person bereut, was sie getan hat, da sie nie in der Lage war, die Erinnerung an dich hinter sich zu lassen.Sam Griffiths, The Howl & The Hum

Zum Abschluss wird es bei Pigs richtig Radiohead-esque. The Howl & The Hum entlassen die Zuhörer auf einer anderen Sphäre. Die Instrumentierung ist so reduziert wie nur möglich gehalten, während Griffiths’ Stimme sanft und bedächtig darüber hinweg gleitet.

Fazit

Schon bevor ihr Debüt erschienen ist, hatten The Howl & The Hum zahlreiche starke Kompositionen in ihrem Repertoire. Dass sie diese allesamt nicht auf Album nahmen, spricht für die Kreativität der Yorker Band. Human Contact klingt sehr viel erwachsener als es das Alter der Musiker um Ende 20 erahnen lässt. Es ist frisch und doch unwahrscheinlich reif für eine erste Platte. In den Köpfen dieser Formation stecken ganz gewiss noch einige Perlen, die wenn sie zum richtigen Zeitpunkt zum Vorschein kommen, die Band in den Fokus einer grösseren Öffentlichkeit katapultieren können.

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The Howl & The Hum in der Schweiz

Mit ihrem Debütalbum Human Contact sind The Howl & The Hum auch für ein Konzert in der Schweiz zu Gast. Am Freitag, 22. Januar 2021 spielen die Engländer ihre erste Schweizer Headliner-Show im Zürcher Exil.

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