Johnny Marr sieht nicht nur aus, als wäre er der Cousin von Noel Gallagher, er hat mit der Band The Smiths und seinem unverkennbaren Gitarrenspiel auch Oasis und eine ganze Generation von Bands wie Radiohead oder Placebo geprägt. Gestern trat Marr zum ersten Mal seit einer Ewigkeit in Zürich auf. Sein unverkennbares Gitarrenspiel zog sich wie ein roter Faden durch den Abend, egal ob er Solosongs oder Smiths-Klassiker auf die Bühne brachte.
Johnny Marr: This Charming Man
Unprätentiös und musikalisch virtuos präsentiert sich Johnny Marr seinen Fans. Gemeinsam mit Morrissey begleitete er in den 80er Jahren mit The Smiths zahlreiche gebrochene Indie-Herzen durch das Tal der Tränen. Während Morrissey bis heute ein Exzentriker geblieben ist, scheint Marr geerdet zu sein und versprüht einen trockenen britischen Charme. Obwohl Morrissey seit der Trennung der Smiths im Jahr 1987 immer wieder mit fragwürdigen Aussagen auffällt, haben die beiden gemeinsam Musikgeschichte geschrieben. Diese Ära ehrt Marr in seinem Set ausgiebig, beinahe die Hälfte der Songs stammen aus dem Katalog von The Smiths.
I would go out tonightBut I haven't got a stitch to wearThis man said, "It's gruesomeThat someone so handsome should care"

Johnny Marr im X-Tra Zürich
Der Klang seiner gitarre ist bekannter als seine Stimme
Auch wenn Johnny Marr eine gute Stimme hat, es ist die Gitarre, die ihn unverkennbar macht. In jedem Riff steckt Marr's einmalige DNA. Neuere Kompositionen wie Spirit Power and Soul (2022) oder Hi Hello (2018) zeigen, dass auch bald 40 Jahre nach der Smiths-Trennung noch eine Menge Kreativität in ihm stecken. Doch die ikonische Band wirft immer noch einen langen Schatten. Sobald die Band einen Song dieser Epoche anstimmt, schiessen die Handys vom vorwiegend älteren Publikum in die Höhe. Diese Tatsache scheint Marr nicht zu stören, vielmehr freut er sich sichtlich, dass auch seine Solo-Songs gewürdigt werden. Eigentlich ist die Fixation aufs Frühwerk sogar ein Vorteil für ihn. Bei den anderen Kompositionen sind die Fans präsenter und geniessen den Moment.
No cheques, no loan, no rent to pay
It's gone today
How to accumulate?
There's not any cents
There is no innocence
In der Top-3 der Ohrwürmer ist der Solosong Easy Money (2014). Die Komposition ist dermassen catchy, dass er über Tage nicht mehr aus dem Kopf verschwinden will. Vor knapp zwei Monaten hat Johnny Marr das Album Look Out Live! veröffentlicht. Aufgenommen wurde es 2024 im Hammersmith Apollo in London. Es vermittelt ein schönes Bild dessen, wie sich auch die Show in Zürich anfühlt. Nun kann man sich auch zuhause von Marr gesungene Smiths-Klassiker anhören. Der Musiker aus Manchester brennt noch immer spürbar für das Songwriting und sein Instrument. Er muss es niemandem mehr beweisen und wirkt dementsprechend befreit von sämtlichen Allüren.
© Sacha Lecca
Ein guter Haarschnitt ist Teil für ein vollkommenes Leben
Den Zugabenblock eröffnet Marr mit Iggy Pop's The Passenger und beendet ihn mit den Smiths-Hits Stop Me If You Think You've Heard This One Before und There Is a Light That Never Goes Out. Bevor er sich mit den vielleicht legendärsten englischen Textzeilen der Musikgeschichte verabschiedet, verrät er noch sein Rezept zum Glück. Er sei in einem Alter, in dem man keine Selbstoptimierung mehr betreiben müsse. Gute Frisuren, gute Handtaschen, gute Nägel, gute Pediküre, gute Frisuren zum Zweiten, gut aussehende Freunde und eine gute Band – das sei alles was man braucht. Dieser Mann ist in seiner Mitte angekommen.
And if a double-decker busCrashes into usTo die by your sideIs such a heavenly way to die

Kein MAnn der Grossen Gesten. Er lässt seine Gitarre für sich sprechen: Johnny Marr
Fazit
Johnny Marr hat als Gitarrist die Indie-Szene so sehr geprägt, wie kaum ein zweiter. Vor etwas mehr als zehn Jahren hat er seine Solokarriere gestartet und bewegt sich nun mit einer Leichtigkeit zwischen Eigenkompositionen und der Pflege des Smiths-Vermächtnisses. Morrissey sollte eigentlich froh sein, dass er sich an seiner Stelle darum kümmert und mit beiden Füssen auf dem Boden steht.
© Sacha Lecca





