Tom Smith brachte sein Solodebüt «There Is Nothing In The Dark That Isn't There In The Light» nach Zürich. Begleitet vom Multiinstrumentalisten Nicholas Willes präsentierte er im Kaufleuten Songs aus seinem Soloalbum sowie Editors-Klassiker in neuen, beeindruckenden Arrangements.
Soloalbum, ohne Pause für Editors
Ende 2025 veröffentlichte Tom Smith mit There Is Nothing In The Dark That Isn't There In The Light sein erstes Soloalbum. Damit bahnt sich jedoch keine Pause bei seiner Stammband Editors an – die Engländer haben soeben die Aufnahmen an ihrem achten Studioalbum abgeschlossen. Auf seiner aktuellen Tour bringt Smith nicht nur seine jüngsten Solo-Kompositionen auf die Bühne, er hat auch die Musik seiner Stammband seziert und neu zusammengefügt. Ruhiger, dadurch noch melancholischer und intensiver gehen sie in diesem Gewand unter die Haut.
Eintauchen in die Seele eines Songwriters
Eröffnet wird der Abend mit Deep Dive, How Many Times und Endings Are Breaking My Heart – drei Solokompositionen Smiths. If miserable lyrics make you happy, you're at the right place, merkt Smith einige Stücken später an. Doch die Traurigkeit der Songs zieht einen an diesem Abend nicht in den Abgrund, vielmehr umschmeichelt sie einen sanft mit ihrer Tiefe.
But it's a deep dive learning to breathe
I don't know what you keep down there in your deepest ocean
You'll heal eventually
You are not alone when you're lonely
We all get left behind
You are not alone when you're lonely
Der perfekte Begleiter: Nicholas WIlles
Grossen Anteil an der Magie des Abends hat der Begleitmusiker Nicholas Willes. Er verblasst nicht neben dem Editors-Frontmann, er hebt die Musik vom klassischen Singer-Songwriter-Konzert auf eine höhere Ebene. Egal ob mit Akustik- oder E-Gitarre, dem Piano oder beim Backgroundgesang, er legt für Smith das perfekte Fundament, sich zu entfalten.
© Sacha Lecca
Mutige Neuinterpretationen von Editors-Songs
Besonders spannend sind die neuen Arrangements bekannter und von Fans geliebter Editors-Songs. Mal ist die Melodie, wie bei All The Kings, so stark verändert, dass der Song beinahe nur am Text erkennbar ist. Eine mutige Umsetzung, die leicht nach hinten losgehen könnte. Doch es ist spürbar, wie viel Herzblut in diese Umsetzungen geflossen ist. So sind sie entkoppelt von den Erwartungen daran, wie ein Editors-Song zu klingen hat.
Everyday I prayI'm the first to goWithout you I would be lostI promised myselfI wouldn't talk about deathI know I'm getting boring
Ein Highlight ist The Weight vom 2013 erschienenen Album The Weight Of Your Love. Mit sanftem E-Gitarren-Einsatz setzt Welles die ikonische Melodie um. In Kombination mit Smiths eindringlichem Bariton löst das spontane Jubelrufe beim ansonsten sehr aufmerksamen Publikum aus. No Sound But The Wind wurde erst 2018 auf dem Album Violence als Bandversion veröffentlicht. Das Stück, das auf dem Twilight-Soundtrack bereits 2010 erschien, war zuvor zwar als Editors-Song gelabelt, es handelte sich aber eigentlich eher um ein Solostück des Sängers. Passenderweise findet es bei dieser Solotour auch seinen Weg ins Set.
Starkes Songwriting zeigt sich in reduzierter form
Waren früher Unplugged-Konzerte irgendwie enttäuschend, weil man die Songs in ihrer vollen Pracht erleben wollte, werden solche aussergewöhnlichen Konzertabende mit dem Älterwerden immer intensiver. Selten kommt man einem Künstler so nahe, wie wenn er seine Musik auf den Kern reduziert. Dabei zeigt sich das musikalische Können und die Stärke des Songwritings. Das sehr elektronische Papillon akustisch umzusetzen, ist dabei ein besonderes Kunststück. Smith und Welles gelingt selbst das. Entsprechend ernten die beiden frenetischen Applaus.
No sense of doubt
Or what you could achieve
Well I've found you out
I've seen the life you wish to leave
But when it kicks like a sleep twitch
You will choke
Choke on the air you try to breathe
Dylan-Cover und neuer Editors-Song
Smith verabschiedet iseinen Mitmusiker kurzzeitig von der Bühne und meint: I told you, you were gonna love him by the end of the night. Recht hat er. Er bleibt alleine mit seiner Gitarre auf der Bühne und begeistert erst mit seiner Interpretation des Bob-Dylan-Klassikers It Ain't Me, Babe, bevor es mit dem unveröffentlichten The Hills We Died Upon einen Vorgeschmack auf das nächste Editors-Album gibt. Ganz bestimmt wird dieses Lied nach dem Produktionsprozess ziemlich anders klingen. Ein Vergleich, auf den man sich freuen kann.
Ein Editors-Klassiker zum Abschluss
We're gonna play two more songs, before we're going to fuck off. Mit britischer Nonchalance bringt Smith die Fans zum Schmunzeln. Lights Of New York City eröffnet den Zugabenblock. Er war Smiths erste Soloveröffentlichung überhaupt und gleichzeitig die erste Vorab-Single des aktuellen Albums. Den Abschluss macht ein Gigant im Editors-Katalog. Smokers Outside The Hospital Doors dürfte jeder Indie-Fan schon gefühlt hundert Mal gehört haben. Doch heute lernt man den Track in einer grossartigen Akustik-Version noch einmal neu kennen. Als sich die Musiker von der Bühne verabschieden, bekommt Smith von einer Frau in der ersten Reihe einen Blumenstrauss überreicht. Er wirkt gleichzeitig überrascht und gerührt. Eine schöne Geste, welche symbolisch die Dankbarkeit des gesamten Publikums ausdrückt.
Fazit
Die Stimme von Tom Smith ist unverkennbar. Dass diese einen ganzen Abend tragen kann, zeigt sich anlässlich seiner Solotour. Obwohl das Set deutlich ruhiger ist als bei einer Editors-Show, wird es keine Sekunde langweilig. Vielmehr öffnet sich der Sänger mit seinen Neuinterpretationen und wird dadurch nahbarer. Ein grossartiges Konzert, ohne grosse Showeffekte. Das hallt noch lange nach.
© Sacha Lecca





