The Howl & The Hum
  1. You Better Believe!!!
  2. Be an Astronaut
  3. The Key to Life on Earth
  4. Beautiful Faces
  5. Daniel, You’re Still a Child
  6. Emily
  7. Twice Your Size
  8. Rapture
  9. Sagittarius A*
  10. Eventually, Darling

Künstler: Declan McKenna

Album-Titel: Zeros

VÖ: 04.09.2020

9/10

Bereits 2017 ist der damals 18-jährige Declan McKenna aufgefallen, als er als Support-Act für Blossoms auf der Bühne des Plaza Klubs in Zürich stand. Noch vor dem Release seines Debütalbums wusste er mit seinen Songs und seiner Präsenz zu überzeugen. Nun ist der Engländer noch weiter gereift und liefert mit seinem zweiten Album «Zeros» eine Platte mit extrem starken Songs ab. Diese strotzt gleichermassen vor Dunkelheit, Zerbrechlichkeit und Stärke. 

«Zeros»: Auf den Spuren von Ziggy Stardust

Mit Glitter im Gesicht sitzt Declan McKenna wahlweise am Piano oder spielt Gitarre. Dabei erinnert er an eine weniger stilisierte Form von Ziggy Stardust, dem Alter Ego von David Bowie. Auch in seiner Musik spiegelt sich dieser Einfluss wider. Bowie hätte zu Lebzeiten ganz bestimmt viel Freude am jungen Musiker gehabt, der seine Zerbrechlichkeit offen zeigt und in seinen Songs verarbeitet.

Track by Track

Dieser Einstieg verdient drei Ausrufezeichen. You Better Believe!!! startet kraftvoll und ohne Umschweife. Der Opener verlangt direkt nach der vollen Aufmerksamkeit. Ein Auftakt, der Lust auf mehr macht.

An zweiter Stelle folgt mit Be An Astronaut der vielleicht grösste Moment von Zeros. Der Aufbau, die Spannung, das Klavier und die Stimme – hier passt einfach alles. Zum ersten Mal wird textlich der immer wiederkehrende Charakter Daniel eingeführt. Durch ihn drückt der Künstler in verschiedenen Songs seine Emotionen aus.

Ähnlich Bowie-esque startet The Key to Life on Earth. McKenna erschafft Melodien mit ungewöhnlichen Harmonien. Man wäre nicht von selbst auf sie gekommen, doch sie tragen einen sofort mit – als wäre man auf der Suche nach ihnen gewesen und die Musik hat einen endlich gefunden. Hinter dem auch mal sphärischen Klanggewand verbirgt sich ein gesellschaftskritischer Text, der sich gegen Intoleranz stark macht.

Holy smokes
You kids and your jokes
Asking where we got our jeans
And where the hell we found our coatsThe Key to Life on Earth, Declan McKenna

Beautiful Faces beschäftigt sich mit der modernen Kultur, in der sich einem unendlich viele Möglichkeiten bieten und sich jeder auf Social Media von seiner besten Seite zeigen möchte. Dort wird ein Leben propagiert, das vielleicht gar nichts mit der Wirklichkeit einer Person zu tun hat. Zudem geht es darum, wie sehr diese Technologien zu unserem Mittelpunkt geworden sind und ihr immer stärkerer Einfluss in eine ungewisse Zukunft führt.

Bei Daniel, You’re Still a Child wird der vorher erwähnte Charakter sogar in den Songtitel aufgenommen. Dass Daniel alles andere als ein glückliches Kind ist, zeigt sich bei Songzeilen wie: You got a death wish, child / Four cans of pesticide to drink. Das beinahe fröhlich anmutende Upbeat-Tempo steht erneut im Kontrast zur Zerrissenheit der Lyrics, die von Isolation und Unsicherheit handeln.

Musikalisch nimmt sich Declan McKenna bei Emily eher zurück. Die Melodie setzt sich aus einfachem Gitarrenspiel und einem gleichbleibenden Drum-Rhythmus zusammen. In der letzten Bridge setzt ein schräger Chor ein, der die Harmonien verzerrt. Es ist auf dem Album einer der persönlichen Lieblings-Tracks von Declan McKenna  – und das vielleicht genau aufgrund seiner Schrägheit.

I was playing in the mud
Until I found a rose
I was somewhere out at sea
‚Til the light from the lighthouse glowedUntil I Found A Rose, The Howl & The Hum

Der siebte Song, Twice Your Size, geht anfangs durch seine abgespacten Gitarren-Licks in eine psychedelische Richtung. Dadurch bewegt es sich zwischen dem Sound von Temples und The Kooks. Gegen Ende gibt es gar noch einen Western-Einschlag und ein wildes Gitarrensolo. Kaum zu glauben, dass so viele Stilwechsel in 3:20 Minuten Platz finden.

Mit einer Roboterstimme wird Rapture eröffnet, bevor eine catchy Bassline einsetzt. Der Song beschreibt die Gefühle, die McKenna in seinem Kopf hatte, nachdem er von einer langen Tour zurückkam und sich erst wieder daran gewöhnen musste, nicht immer an einem anderen Ort aufzuwachen.

Sagittarius A* ist gemäss Wikipedia eine Quelle von Radiowellen im Zentrum der Milchstrasse. Nach aktuellem Forschungsstand handelt es sich dabei um ein supermassenreiches Schwarzes Loch. Der Titel dreht sich folglich auch darum wie diese kraftvolle Macht genüsslich alles mit sich in die Tiefe zieht.

Den Schluss macht mit Eventually, Darling der Track, der als erstes für das Album gesetzt war. McKenna wollte das Stück entweder an den Anfang oder das Ende von Zeros setzen. Wieder geht es um Veränderungen, ob sie nun gut oder schlecht sind. Beim Schreiben hat der Musiker realisiert, wie viel sich für in selbst in diesem Moment geändert hat. Frisch aus der Schule in den Vollzeitjob als Musiker. Mit der fragenden aber hoffnungsvoll gemeinten Zeile Would you do it again? endet das düstere Werk von Declan McKenna.

Declan McKenna

Für das Video zu «The Key to Life on Earth» wird der Schauspieler Alex Lawther (The End of The F***ing World) zu Declan McKennas Doppelgänger.

Fazit

Auf gewisse Weise ist es beängstigend, wie viele düstere Gedanken ein junger Mann mit 21 Jahren bereits in sich trägt. Declan McKenna hat mit seiner Musik einen Weg gefunden, sie mit der Öffentlichkeit zu teilen. Musikalisch gesehen sind dadurch zehn wunderbare Songs entstanden. Bleibt zu hoffen, dass die musikalische Therapie dem Engländer geholfen hat und es in seinem Kopf auch fröhlichere Gedanken gibt, welche nur den Weg in seine Songs nicht finden. Zeros ist ein beeindruckendes zweites Album und ist hoffentlich erst der Anfang einer grossen Karriere.

Seit dem Release ihres Debut-Albums «New Gold» im April 2014 waren Go Go Berlin so fleissig auf Tour wie kaum eine andere Band. Dementsprechend vollgepackt ist die Rückseite ihres Tourshirts, welches gut und gerne 200 Konzerte aufgelistet hat. Immer wieder haben die fünf Dänen dabei ihre Live-Qualitäten unter Beweis gestellt und hatten TV-Auftritte wie in der kultigen Telefonzelle von «Circus HalliGalli» oder bei einer Live-Challenge während dem «Germany’s Next Topmodel»-Finale.

Doch scheinbar scheint das Touren alleine nicht Auslastung genug zu sein. Go Go Berlin hat die Zeit gefunden ein brandneues Album zu produzieren, welches nächsten Freitag bei uns auf den Markt kommt. Gemäss Sänger Christian Vium hätten sie bereits in der letzten Phase des Vorgängeralbums bemerkt, dass sich die Band in eine neue musikalische Richtung entwickelt und daher hätten sie es kaum erwarten können, mit den Aufnahmen für den Nachfolger zu beginnen.

«Electric Lives», der titelgebende Track der neuen Platte, hat die Dänen schon während ihrer «New Gold»-Ära begleitet. Immerhin einen ersten Vorgeschmack auf das neue Material durften die Fans damit bereits kosten. Ihr neustes Werk beginnt mit einem Intro mit dem Titel «006». Allein dieser Instrumentaltrack lässt erahnen, wohin der Weg dieser Band noch führt. Nebst der klassischen Instrumentierung sind darauf auch Streicherarrangements zu finden und während gut zwei Minuten wird der Hörer in die neue «Go Go Berlin»-Welt eingeführt. Mit einem sanften Übergang folgt der wunderschön «Maybe Tomorrow», ein Titel mit wunderschön schleppendem Gesang und einem ausgedehnten Gitarrensolo. Bereits bis hierhin merkt man, wie sehr sich Go Go Berlin weiterentwickelt haben und an Komplexität gewonnen haben. Die Entwicklung findet dabei statt, ohne dass der spezielle Sound der Dänen verloren geht.

Auch fröhliche, schon fast verspielte Songs finden ihren Platz auf «Electric Lives». «Kids» ist ein beschwingtes Stück mit Radiotauglichkeit. Die ersten Klänge vom «Famous Till The End» könnten beinahe einem «Temples»-Album entsprungen sein. Dabei ist ein in Psychedelic-Rock getauchter Titel mit herrlichem Groove entstanden. Dass Christians Stimme auch erstaunlich anders klingen kann Zeigt «Kill Me First», denn erst im Refrain kommt die markant dreckige und kratzige Seite von ihr zum Vorschein. Mit «Rest For The Restless» findet sogar eine Ballade Platz, die bei einem schweisstreibenden Konzert bestimmt für eine angenehme Erfrischung sorgen kann. Danach folgt der bereits wie ein alter Bekannter daherkommende Titeltrack «Electric Lives». Zu diesem tollen Song gibt es gar nicht mehr viel zu sagen. Einfach Live-Videos anschauen und geniessen – eine durch und durch gelungene Komposition. Zum Träumen regt «Starlight/WDYW» an. Ein 15-minütiger Track, mit herrlichen Instrumentalparts. Schnell wird man aus dem Traum gerissen. Nein, da ist nicht plötzlich ein Track von den Kings Of Leon dazwischen gerutscht. «The Party» hat tatsächlich einfach gewisse Parallelen zu den US-Rockern. Den Retrosound komplett weggelassen haben Go Go Berlin bei «Purple Heart». Es scheint, als hätte jeder einzelnen Song einen eigenen Musikstil, der aber immer zusammenpasst. Christian Viums Sprechgesang in den Strophen von «All Mine» reiht sich in dieser Vielfalt bestens ein. Den Abschluss der 12 Tracks bildet «You Are The Sun», eine ruhige Nummer um «Electric Lives» mit einer leicht wehmütigen Stille ausklingen zu lassen.

Christian Vium , Mikkel Dyrehave , Emil Rothmann, Anders Søndergaard und Christoffer Østergaard zeigen auf «Electric Lives», dass Go Go Berlin erst gerade angefangen und das Potenzial hat eine der ganz grossen Bands zu werden.

Die nächsten beiden Schweizer Konzerte von Go Go Berlin finden im Oktober statt und zwar am:

01.10.2015 / Dynamo (Werk 21) / Zürich / Tickets
02.10.2015 / Gare de Lion / Wil / Tickets

Share this Project