Nothing But Thieves im X-Tra Zürich: Die Briten verdoppeln innerhalb eines Jahres die Kapazität

In Reviewsby indiespect

Nichts als verdoppelung: Der Aufstieg geht weiter

Im Dezember 2017 traten Nothing But Thieves zuletzt in Zürich auf. Damals im ausverkauften Dynamo. Mit ihrem zweiten Album Broken Machine spielten sie vor 650 Besuchern. Gestern kehrten die Briten in die Limmatstadt zurück. Die Kapazität hat sich innerhalb des knappen Jahres wieder einmal verdoppelt. Das X-Tra fasst 1350 Personen und ist bis hinten und auf dem Balkon gut gefüllt.

Ein neues Album haben die Engländer noch nicht nachgeliefert. Eine EP mit vier Songs haben sie vor einem knappen Monat veröffentlicht. Unter dem nicht gerade eingängigen Titel What Did You Think When You Made Me This Way? machen Nothing But Thieves musikalisch dort weiter, wo sie mit Broken Machine aufhörten. Die Songs könnten ebenso gut Bonustracks des Albums sein. Überraschungen gibt es wenige. Aber beim Einstieg in die EP bietet Forever & Ever More eines der eingängigsten Gitarren-Riffs der Bandgeschichte.

Nothing But Thieves

Die Distanz zur Band wächst bei jedem Konzert. Auch hierzulande werden die Konzertsäle bei jedem Auftritt von Nothing But Thieves grösser.

Das Sonntags-Phänomen mit zwei Vorbands

Immer öfter bringen vor allem britische Bands zwei Support Acts mit auf Tour. Wenn das Konzert an einem Wochenende oder zumindest in der zweiten Wochenhälfte stattfindet, ist dagegen nichts einzuwenden, aber an einem Sonntagabend ist das nicht wirklich das Gelbe vom Ei. Blackmordia und Deaf Havana sorgen zwar für eine abwechslungreiche Einstimmung, doch auch für einen späten Konzertbeginn des Headliners. Der Rock’n’Roll-Lifestyle kennt selbstverständlich keine Wochentage, die meisten Besucher hingegen schon. So spürt man den Unmut bei vielen Konzertgängern, die schon vor Beginn wissen, dass sie die Show nicht bis zum Ende sehen können.

Nothing But Thieves

Auch am Sonntag wird getanzt.

Routine durch Spielpraxis

Die Band um Sänger Conor Mason und Songschreiber Joe Langridge-Brown betritt pünktlich um 21.45 Uhr die Bühne. Diese ist, wie schon im Dynamo, nur mit einem Banner mit dem Bandlogo geschmückt. Bereits beim ersten Ton des Openers I Was Just A Kid ist die durch Konzerterfahrung gewonnene Routine spürbar. Auch Tracks wie Ban All The Music und Wake Up Call vom selbstbetitelten Debüt von 2015 sitzen wunderbar. Was vor drei Jahren im vergleichsweise winzigen Kinski noch nach roher Energie einer jungen Band klang, ist mittlerweile fein geschliffen. Die Stimme sitzt, die Instrumente erklingen in Perfektion.

Genau das ist jedoch auch oft der Fluch, wenn man eine Band sieht, die den Weg Richtung Rock-Olymp mit grossen Schritten erklimmt. Die Venues werden grösser und die ungestüme Energie weicht einer einstudierten Performance. Das X-Tra ist dabei die letzte Station zwischen einer kleinen Clubshow und einer Arena. Während die vorderen Reihen in Ekstase tanzen, wird weiter hinten nur noch aufmerksam zugehört.

Um das Riff von «Forever & Ever More» beneiden Nothing But Thieves bestimmt einige Bands.

Nothing But Thieves kennen mittlerweile die ganz grossen Bühnen. Oftmals jedoch nur in Funktion des Supports. So durften sie bei zahlreichen Shows für Muse eröffnen. Ihren eigenen Platz muss die Band noch immer finden. Die Popularität steigt kontinuierlich, sodass sie sich beinahe nicht an eine einzige Dimension gewöhnen können. Mit Kompositionen wie I’m Not Made by Design und ihrer Durchbruch-Single Trip Switch haben die Jungs das Zeug auch in den ganz grossen Hallen zu bestehen. Doch spätestens dann müssen sie wohl oder übel die Show auf die Grösse der Songs anpassen.

Mit zwei Alben und einer EP haben Nothing But Thieves ihren unverkennbaren Stil gefunden, der auch von Conor Mason’s Stimmgewalt lebt. Nur scheint genau diese auch die musikalische Entwicklung etwas zu behindern. Selbst wenn die Stücke stilistisch und instrumental unterschiedlich sind, so kann Mason seinen Gesang nur bedingt modifizieren. Die Höhen sind seine Stärken, doch in die andere Richtung geht leider bisher nicht sehr viel.

Die unvergleichliche Magie einer Discokugel während der Show von Nothing But Thieves.

Dem Auftritt in Zürich fehlt etwas die Intimität der kleineren Locations, dafür können die Engländer jedoch nichts. Sie geben noch immer alles. Sympathisch, bescheiden und dankbar sind sie auch geblieben. Und wenn die Discokugel das X-Tra erleuchtet, spürt man ihn auch hier – den Zauber von Nothing But Thieves.

Fazit

Nothing But Thieves kommen nicht wirklich zur Ruhe. Es geht immer weiter aufwärts mit der jungen Band. Innerhalb von drei Jahren haben sie sich eine immer grössere Fangemeinde erspielt. Dabei können sie sich jedoch nie richtig auf einem Level vertraut machen. Es würde den Engländern gut tun, mal eine zweite Tour mit denselben Location-Grössen zu spielen, um sich richtig entfalten zu können.