Tim Freitag im ausverkauften Kaufleuten Zürich:
Voller Körpereinsatz bei der Single-Taufe

In Reviewsby indiespect

Tim Freitag: Von Unplugged zu Unchained

Alles beginnt ganz ruhig, als die Musiker kurz nach 20 Uhr ins Scheinwerferlicht treten. Pfenningers Stimme klingt beim anstimmen von The Wave rein aus den Boxen. Erst nach und nach setzen die Instrumente ein, um immer weiter die Intensität zu steigern. Dieser Anfang ist sinnbildlich für den ganzen Auftritt der Zürcher. Sie schaffen es einen Spannungsbogen über ihr ganzes Set zu legen. Bisher haben Tim Freitag erst einzelne Singles und verschiedene Remixes dieser Songs veröffentlicht. Im Set kommen die Fans aber auch in den Genuss weiterer Tracks. Nach Truth, einem dieser unveröffentlichten Stücke folgen mit By Your Side und Tip Toe gleich zwei Songs für die Tanzbeine. Tip Toe, die neuste Single, ist bereits nach zehn Tagen ein Vertrauter im Gehörgang. Der Gesang ist extrem anspruchsvoll, doch das hält Pfenninger nicht davon ab, sich immer weiter in Rage zu Tanzen. Die Zehenspitzen sind nicht nur beim gleichnamigen Song ein Thema. Wenn der Sänger hingebungsvoll ins Mikrofon singt, steht er häufig nur auf dem vorderen Teil der Füsse – angespannt bis in den letzen Muskel.

Tim Freitag

Sänger Janick Pfenninger verausgabt sich auf der Bühne.

Schicht für Schicht muss weichen

Kein Wunder wird es dem Sänger nach wenigen Minuten zu heiss für seinen Pullover. Der Schichten-Look gehört zur Show dazu. Im T-Shirt folgt mit So Hard ein Highlight des Abends. Die Arbeit an diesem Stück, hätte die Band an ihre Grenzen gebracht, weil sie keinen Abschluss gefunden hätten. Dementsprechend passend ist der Titel. Es ist schwierig sich zu entscheiden, wenn man beinahe unbegrenzte Möglichkeiten hat. Entstanden ist eine wilde Nummer, die von Gitarrist Nicolas Rüttimann am Megafon eingeleitet wird. Indie-Rock trifft in perfekter Symbiose auf Electro. Das T-Shirt des Frontmanns ist mittlerweile auch gewichen und hat dem Tanktop Platz gemacht.

Tim Freitag

«So Hard» mit einem weiteren Instrument – dem Megafon

Plötzlich verschwindet Janick Pfenninger und taucht bei der Bar wieder auf. Another Heart Has Lost Its Place kündigt er herrlich selbstironisch an. Seine Studienkollegin Jolanda habe ihm einmal gesagt, dass seine Stimme wie die eines Eunuchen mit eingeklemmten Eiern klinge. Also habe er aus purem Trotz einen Song geschrieben, der beinahe nur in der Kopfstimme gesungen ist. Als er ihn anstimmt, schnellen die Feuerzeuge in die Höhe und beleuchten den Festsaal. Im Mittelteil übernimmt Rüttimann mit einem Gitarrensolo, das sich gewaschen hat. Immer schneller schlagen seine Finger scheinbar mühelos die Saiten seines Instruments an. Der immer wieder aufbrandende Zwischenapplaus treibt ihn noch weiter an.

Tim Freitag

Der Platz im Kaufleuten wird ausgenutzt.

Tim Freitag leben gefährlich

Schwitzend und wie ein Wirbelwind tanzt Janick Pfenninger von einer Ecke der Bühne zur anderen. Dabei springt er auf das Schlagzeug, leert sich Wasser über den Kopf oder wirft aus Versehen eine Gitarre mitsamt Ständer um. Seine Mitmusiker leben auf der Bühne gefährlich. Mit voller Leidenschaft singt und tanzt sich der Frontmann in Trance. Kein Wunder, dass auch das letzte Stückchen Stoff noch weichen muss. Plötzlich steht er mit freiem Oberkörper auf der Bühne und sein Tanktop fliegt wie ein Putzlappen zu Boden. Die Setlist unter seinen Füssen ist mittlerweile zerrissen. Diejenige vom Gitarrist fliegt immer wieder mal auf der Bühne hin und her. In dieser Live-Performance steckt definitiv Leben. Etwas ruhiger, aber nicht weniger intensiv wird es bei Bruises. Nach diesem starken Stück verabschieden sich die Zürcher ein erstes Mal vom begeisterten Publikum.

Tim Freitag

Nichts ist vor dem Wirbelwind namens Janick Pfenninger sicher

Tim Freitag machen Lust auf mehr

Zwei Zugaben schenken Tim Freitag ihren Fans, obwohl sie noch kein Album veröffentlicht haben. Viel mehr als die fünfzehn Songs der Setlist hätten sie wohl gar nicht spielen können. Das abschliessende Hold On macht Lust auf mehr. Manch einer der Besucher, wäre wohl gerne mit einer Vinyl-LP unter dem Arm nachhause gelaufen. Diese ist zwar noch nicht geplant, doch mit weiteren abwechslungsreichen Kompositionen von Tim Freitag ist definitiv zu rechnen.

Tim Freitag

Auf dem Rücken singt es sich am Besten

Fazit

Tim Freitag haben an diesem Sonntagabend alles gegeben. Man hat gespürt, wie lange sie auf dieses spezielle Konzert hingefiebert haben. Umso schöner ist zu sehen, dass der Festsaal im Kaufleuten bis hinten gefüllt war. Die Zürcher haben mit viel Abwechslung und einer energetischen Performance eindrucksvoll gezeigt, was in ihnen steckt. Von diesen fünf Jungs wird man noch einiges hören.