Johnossi im Gare de Lion:
Ausverkaufte Premiere in Wil

In Reviews by indiespect

Johnossi-Konzert in Miniformat

Eigentlich hätte das Schwedische Indie-Rock-Duo bereits am 16. Dezember 2017 im Gare de Lion in Wil auftreten sollen. Das Konzert war bereits seit längerer Zeit ausverkauft gewesen. Dafür verantwortlich war unter anderem die relativ kleine Grösse des sogenannten Kulturbahnhofs. Mit 450 Stehplätzen ist es einer der kleineren Auftrittsorte für Johnossi. Die Vorfreude auf das Konzert, welches an einem Samstag stattfinden sollte, war dementsprechend, bei den Veranstaltern und den Fans gleichermassen, riesig. Umso grösser war der Dämpfer, als die Band einen Tag zuvor verkündete, dass sich Sänger John Engelbert eine Bronchitis zugezogen hatte und er daher seine Stimme verloren hatte. Infolgedessen mussten drei Konzerte verschoben werden, darunter auch die beiden Schweizer Auftritte in Bern und Wil. 

Innerhalb einer Woche konnte ein Nachholtermin gefunden werden. Gestern war es nun endlich so weit. Tags zuvor traten die Schweden im Bierhübeli in Bern auf. Mit 800 Stehplätzen ist diese Location beinahe doppelt so gross wie das kleine Gare de Lion. Spätestens beim Betreten der Venue wurde einem bewusst, welch intimes Konzert man erleben würde. Kontinuierlich trafen die Fans ein, bis der Raum lückenlos gefüllt war.

Linn Koch-Emmery als Support

Als Vorband hatten sich Johnossi Linn Koch-Emmery ausgesucht. Die Musikerin trat nicht alleine, sondern mit Band auf. Richtig zünden wollte es beim Auftritt jedoch nicht. Zwischenzeitlich wirkte die Band etwas unsicher und erinnerte an eine Schulband. So schnell wie sie auf die Bühne traten, verschwanden die Musiker auch wieder. Es schien beinahe so, als wären sie dankbar, dass sie nicht länger im Scheinwerferlicht stehen mussten.

Indie-Rock, der jeden Raum ausfüllt

Johnossi sind das Schwedische Power-Duo schlechthin. Sie haben sich über die Jahre ihren Ruf als grossartige Live-Band gefestigt. Zudem sind sie mit jeglichen Bühnengrössen vertraut. Sei es auf grossen Festivals oder in kleinen Clubs. Ohne Schnörkel spielen Johnossi tanzbaren Indie-Rock, mit dem sie in der Lage sind, jeden Raum einzunehmen. Die Intensität, wie sie es im kleinen Gare de Lion schafften, war jedoch besonders beeindruckend. 

John Engelbert besitzt eine ganze Sammlung exotischer Hemden.

Glory Days to come

Im Unterschied zu den letztjährigen Blood Jungle TourKonzerten eröffneten Johnossi nicht mit dem Intro von Air Is Free. Stattdessen wurde ganz tief in der Song-Kiste gegraben. Glory Days To Come befindet sich auf dem Debüt von 2005 und fand in den vergangenen Jahren praktisch nie den Weg auf die Setlist. Die ausgelassene Stimmung im ausverkauften Club übertrug sich sofort auf die Band und veranlasste diese, das Gaspedal noch mehr durchzudrücken, als man es ohnehin von ihnen gewohnt ist. 

In Bezug auf die Songauswahl boten die Schweden abgesehen vom Opener nicht sehr viele Überraschungen. Aber Gone Forever oder Weak Spots in diesem einmaligen Ambiente zu erleben, war eine ganz neue Erfahrung. Bei ihren Festivalauftritten hatten Johnossi Weak Spots oft aus dem Set gestrichen, obwohl der Song nach der Veröffentlichung schnell zum Publikumsliebling avanciert war.

Er scheint mit seinem Publikum zufrieden zu sein: John Engelbert.

Textsicheres Publikum im Gare de Lion

Die Publikumsbeteiligung sowie die Textsicherheit war ausserordentlich. Selbst Instrumentalparts wurden mitgesungen. Als John Engelbert mitten im Text von Mavericks aussetzt, übernahmen die Zuschauer ebenfalls nahtlos und textsicher. 

Something’s always after me.
It’s pushing at the gate.
I can see the wave.
I can see the wave.Johnossi – Mavericks

Es schien als hätten sich die richtigen Fans die Tickets gesichert. Wie wild wurde getanzt, während die Stimmung immer friedlich blieb. Die Fasnachtszeit hatten drei Besucher als Anlass genommen, sich als Geisha zu verkleiden. Dies blieb bei den Akteuren auf der Bühne nicht unbemerkt und sorgte bei den Musikern für ein breites Grinsen im Gesicht. 

Anders als beim letztjährigen Auftritt im Volkshaus in Zürich gingen Johnossi nicht auf den Wunsch einiger Zuschauer ein, Santa Monica Bay zu spielen. Nach viermaligem Zwischenruf bemerkte Ossi vielmehr We’ve already heard you when you screamed it for the first time. I just wanted to let you know. Damit war die Sache gegessen. 

Am Keyboard war wie immer Mattias Franzén dabei. Zwischenzeitlich hielt ihn nichts mehr auf seinem Hocker.

Für den Power-Block, bestehend aus Party With My Pain, Execution Song, Man Must Dance und 18 Karat Gold verliess Keyboarder Matthias Franzén die Bühne und überliess John und Ossi das Feld. Wie in alten Zeiten bewiesen die beiden Namensgeber der Band, dass es nichts ausser Schlagzeug, Gitarre und einer markanten Stimme braucht, um einen ganzen Raum zum Kochen zu bringen. 

Hands und What’s The Point bildeten den Abschluss im regulären Set. Johnossi dachten gar nicht daran, das Tempo noch einmal zu drosseln. Denn nach tosendem Applaus kehrten sie für Air Is Free und das obligate Roscoe noch einmal mit voller Kraft zurück auf die Bühne. Damit wurden die letzten Energien der Fans freigesetzt. Die Musiker verabschiedeten sich per Handschlag von den vorderen Reihen und bedankten sich beim tollen Publikum.

John-On-Ossi

Fazit

Den grossen Überraschungseffekt gibt es bei Johnossi selten. Sie spielen plus minus die gleiche Mischung an Songs, doch das ist genau das was ihre Fans wollen. Ein Querschnitt der grossartigen Stücke mit voller Wucht vorgetragen. Im kleinen Gare de Lion kamen diese besonders gut zur Geltung und das energiegeladene Publikum wurde zum vierten Musiker. Die Schweden werden wohl nicht so rasch wieder in einem solch intimen Rahmen auftreten – eigentlich schade.

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