Die Donots surfen durchs Gaswerk Winterthur:
Ein Sommertag mitten im Januar

In Reviewsby indiespect

Donots sorgen in Winterthur für den Perfekten Einstieg ins Wochenende

Seit bald 25 Jahren sind die deutschen Punk-Rocker Donots schon voller Energie und Haltung auf den Bühnen der Welt unterwegs. Nach vielen englischsprachigen Jahren, hat die Band beim vorletzten Album in die Muttersprache gewechselt und sich damit noch einmal neu erfunden. Lauter als Bomben heisst ihr neustes Werk, welches vor ziemlich genau einem Jahr erschien. Auch wenn die Donots von aussen wie eine waschechte Punkband aussehen, so steckt von Alternative-Rock bis Pop alles in den Jungs aus Ibbenbüren. Diese schweisstreibende Mischung brachten sie am letzten Freitag ins Gaswerk nach Winterthur

Montreal

Montreal sorgen mit Getränkehaltern am Mikrofonständer für einen stimmungsvollen Auftakt.

Montreal: Der McGyver unter den deutschen Rockbands

Nach einer beschwerlichen Reise durch das verschneite Österreich steht das Hamburger Trio Montreal zum ersten Mal auf einer Winterthurer Bühne. Der Empfang ist wohlwollend und Berührungsängste gibt es sichtlich nicht. Die Norddeutschen können die klassischen Sprüche zur Schweiz nicht lassen. So wundern sie sich über die fehlende Garderobe. Bereits da merkt man, dass man in der Schweiz ist. Ihr könnt eure Jacken einfach aufhängen oder auf den Boden legen und nachher sind alle noch da. Wahrscheinlich habt ihr sogar noch einen 10er drin. Bei uns muss man für den Bon bezahlen und die Jacke ist am Ende trotzdem weg. Ansagen wie diese gibt es zwischen beinahe jedem Song. Sänger Hirsch schafft es damit ganz unverkrampft den Abend zu eröffnen. Musikalisch bewegen sich Montreal zwischen gefühlvollen Rockballaden, Festival-Krachern und Discopunk. Eines haben aber alle Songs gemeinsam – sie sind melodisch und ungemein eingängig. Besonders hervorzuheben sind die genialen Getränkehalter an den Mikrofonständern der Musiker. So lässt es sich ganz gemütlich in einer kurzen Pause am Strohhalm ziehen. MacGyer wäre stolz

Donots

Sorgen für tropisches Klima – Donots.

Donots: Lauter als Bomben und agiler als ein junges Reh

Kaum auf der Bühne, schon springt Sänger Ingo «Donot» Knollmann wie ein Wilder. Es wirkt als wolle er sein heutiges Territorium abstecken. Das Bier floss bei den Fans bereits beim Support und wird nun in Energie umgewandelt. Das prall gefüllte Gaswerk ist in Wochenendstimmung – das spürt man ab dem ersten Akkord. Es wird mitgesungen und friedlich aber euphorisch getanzt. Das Set der Donots ist dabei mit neuen deutschsprachigen Songs und Klassikern in Englisch bestückt. Auch Covers werden nach belieben eingestreut, so auch Friday I’m in Love von The Cure.

Donots

Wo ist Ingo? Der Sänger sucht sich schnell einen Weg ins Publikum.

Das ganze Gaswerk wird zur Bühne

Nicht nur die dafür vorgesehene Erhebung wird für die Performance genutzt, sondern auch der gesamte Raum davor. So wagt sich Ingo ins Auge des Sturms und lässt sich crowdsurfend wieder auf die Bühne tragen. Die Energie reisst nicht ab, egal wie lange das Konzert bereits dauert. Die Bier-Bar des FC Winterthur sorgt dafür, dass währenddessen keine Kehle beim ausgelassenen Feiern austrocknet. Die Sogkraft dieser Bar spürt auch der Frontmann der Donots. Er sucht sich den Weg durchs Publikum. Über die dahinterliegende Treppe steigt er die Galerie empor und taucht er plötzlich oberhalb der besagten Bar auf. Während er sich an der Wand abstützt und ins Mikrofon singt, sieht man bereits die Absicht des Sprungs in seinen Augen. Etwas Furcht scheint trotz langjähriger Erfahrung auch noch durchzuscheinen. Mutig springt er trotzdem ohne zu Zögern vom bestimmt über drei Meter hohen Balkon nach vorne. Die nach oben gestreckten Hände fangen Ingo glücklicherweise sanft auf und tragen ihn unbeschadet zur Bühne.

Zu einem gelungen Konzertabend gehört auch eine gute Portion Adrenalin.

Festivalfeeling im Winter

Ein langes und intensives Konzert biegt in die Zielgerade ein. Songs wie Stop the Clocks oder So Long sorgen dafür, dass man sich für einen Moment im Festivalsommer wähnt. Kein Wunder, So Long ist auf der Platte ein Featuring mit Festival-Dauergast Frank Turner. Auch in die Zugaben gesellt sich mit We’re not Gonna Take It von Twisted Sister noch einmal ein Cover ins Set. Als Abschluss des über zweistündigen Auftritts wird es auf einmal ganz leise. Die beiden Knollmann-Brüder stellen sich komplett unverstärkt und mit gedimmtem Licht für Hansaring, 2:10 Uhr in die Mitte der Fans. Ein gebührender Abschluss für eine abwechlsungsreiche Live-Show.

Donots

An Publikumsbeteiligung mangelt es im Gaswerk Winterthur nicht.

Fazit

Die Donots haben ihrer Karriere unbestritten neues Leben eingehaucht, als sie sich entschieden haben die Texte in ihrer Muttersprache zu singen. Sie hätten an diesem Abend in keine Location und keine Stadt besser gepasst, als ins Gaswerk in Winterthur. Dadurch entstand die perfekte Symbiose aus Band und Fans. Ein gefühlter Sommertag mitten im Januar.

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