Rezension:
Tim Freitag – Monsters Forever

In Album-Tipps by indiespect

Monsters Forever
  1. By Your Side
  2. Hold On
  3. Call Me
  4. A Kiss, A Bang & It’s Over
  5. Dress Rehearsal
  6. Hot, Cold, With & Without You
  7. Tip Toe
  8. Monsters Forever
  9. Bruises
  10. Get Your Shit Together
  11. Another Heart Has Lost Its Place

Künstler: Tim Freitag

Album-Titel: Monsters Forever

VÖ: 13.03.2020

8.5/10

Tim Freitag sind:

Janick Pfenninger (Gesang)
Daniel Gisler (Keys)
Severin Graf (Bass)
Lorenzo Demenga (Schlagzeug)
Nicolas Rüttimann (Gitarre)

Tim Freitag: Eine lange Reise gipfelt in «Monsters Forever»

Tim Freitag haben eine lange Reise hinter sich, die sie am nun endlich zu ihrem Debütalbum führt. Bereits seit 2011 machen die Zürcher zusammen Musik und haben seither immer wieder Songs veröffentlicht, die für Aufsehen sorgten. Sie klangen allesamt erfrischend und machten Lust auf mehr. Im April 2019 steigerten sie die Vorfreude auf einen Erstling mit einer ausverkauften Show im Zürcher Kaufleuten noch einmal um ein Vielfaches. Doch die Formation um den exzentrischen Sänger Janick Pfenninger liess sich nicht drängen, ein Debütalbum veröffentlicht man schliesslich nur einmal. Monsters Forever bündelt alle Facetten von neun Jahren Tim Freitag in sich und trägt die mittlerweile unverkennbare Handschrift der Zürcher.

Track by Track

By Your Side hat sich die Pole-Position auf Monsters Forever redlich verdient. Den Song haben Tim Freitag bereits im September 2018 veröffentlicht, seither wurde er über 2,5 Millionen mal gestreamt. Der Gast-Gesang der New Yorker Sängerin Vania Sousa rundet den Track perfekt ab.

Mit den ruhigen Klängen einer Akustik-Gitarre wird Hold On eingeleitet. Es ist eine der ruhigeren Nummern auf dem Album. Dennoch erhält sie durch die fliessende Melodie, die gefühlvolle Stimme von Janick Pfenninger und die Instrumentierung mit Backing-Vocals und Bläsern einen wunderbaren Drive.

Die neuste Single vor dem Album-Release treibt auf die Tanzfläche. Call Me ist die Hymne für das Tinder-Zeitalter und die damit verbundene Oberflächlichkeit. Ein Kreislauf zwischen Jagdinstinkt und Einsamkeit.

A Kiss, A Bang & It’s Over ist der erste, der bisher unveröffentlichten Tracks. Die Gitarre hält sich zurück und setzt kleine Akzente während eine Bassmelodie unter den Vocals schlängelt. Die Sehnsucht und die Hoffnung sind hier gleichermassen spürbar

Dress Rehearsal besteht aus Gesprächsfetzen, die aller Wahrscheinlichkeit nach während den Aufnahmen des Albums zwischen Janick Pfenninger und den Gastsängerinnen entstanden sind.

Der Auftakt von Hot Cold, With & Without You kommt in einem ähnlich stampfenden Rhythmus wie der Eurythmics-Klassiker Sweet Dreams daher. Die Widersprüchlichkeit der Gefühle, welche in den Lyrics auftauchen, werden bereits im Songtitel aufgegriffen

Uh, I’m in trouble
Uh, I see double
Hot, cold with & without youHot, Cold, With & Without You

Tip Toe war bereits bei seiner Erscheinung im April 2019 ein Ohrwurm. Dieser Track schleicht sich einfach in den Gehörgang und verlässt ihn auch ein Jahr später noch lange nicht. Der Single-Release wurde damals mit der Live-Premiere beim ausverkauften Konzert im Kaufleuten gefeiert. Zu Tip Toe haben Tim Freitag auch einen sehr aufwändigen Videoclip produziert.

Der Titeltrack Monsters Forever kommt erst im zweiten Drittel der Platte. Ganz wie Hold On ist er reduzierter instrumentiert und erhält genauch dadurch eine besondere Intensität und musikalische Tiefe.

Noch knapp ein Jahr älter als By Your Side ist Bruises. Im Oktober 2017 veröffentlicht, hat der Song das Zeug zu einem veritablen Hit. Zudem ist er durch seine dramatischen Tempo- und Stimmungswechsel ein Garant für eine energetische Live-Performance.

Auch Get Your Shit Together ist wieder ein kleines Intermezzo aus dem Studio.

Another Heart Has Lost Its Place ist der perfekte Abschluss-Track, wenn man seine Hörer melancholisch zurücklassen will. Die Komposition trägt das Gefühl von Abschied in sich. Es lässt sich wohl sagen, dass Tim Freitag sich lieber in dieser Stimmung quälen, als einfach mal glücklich zu sein. Zeilen wie Cards have been shuffled again / They took you to a bitter end klingen so, als sei in der Freude-Skala noch Luft nach oben. Doch genau diese zart-bittere Note macht den Sound der Zürcher so unwiderstehlich.

Image

Tim Freitag bei ihrem ausverkauften Konzert im Kaufleuten Zürich, im April 2019.  © Biho Song

Fazit

Obwohl erst jetzt ihr Debüt erscheint, sind Tim Freitag schon längst keine Newcomer mehr. Die Eindrücke von neun Lebensjahren hat Janick Pfenninger in seine Songs einfliessen lassen. In ihnen spürt man nicht selten Zerrissenheit, Sehnsucht aber auch manchmal einen Funken Hoffnung. Monsters Forever hat eine düstere Grundnote, wird aber durch die energiegeladenen Melodien immer wieder vor dem Fall in ein tiefes Loch aufgefangen. Das Debütalbum ist ein Meilenstein für die Zürcher Indie-Band, aber es ist sicherlich nur die erste Station, einer noch viel längeren Reise von Tim Freitag. Wer weiss, vielleicht finden Janick Pfenninger und seine Band auf diesem Weg sogar irgendwann ihr grosses Glück. Zu gegebener Zeit wird man es den Kompositionen sicherlich anhören.

Titelbild: © Nadja Stäubli, Artwork: © Anne Güldner