The Howl & The Hum:
Von York in die Welt

In Interviews, Spektrum by indiespect

The Howl & The Hum sind eine aufregende neue Band aus York, England. Mit lediglich einer selbst veröffentlichten EP und einer 7″ Vinyl-Single, sind sie derzeit dabei, Musikfans zu verzücken, wohin immer sie reisen. Anfang März waren sie für einen ersten Besuch in der Schweiz, als sie anlässlich des RADAR Festivals in Zürich auf der Bühne standen. Mit ihrem aufregenden Genre-Mix und einer unglaublichen Live-Performance waren sie für viele Besucher das Highlight des Tages. Aber wer sind diese jungen Musiker und was inspiriert sie zu ihrer Musik? Sänger und Gitarrist Sam Griffiths nahm sich Zeit, um einige Fragen über die Geschichte und die Zukunft der Band zu beantworten.

The Howl & The Hum: Who is who?

Photos: © Alice Lindsay

SAM GRIFFITHS, 26, GITARRE & GESANG
wünscht er wäre Bob Dylan

BRADLEY BLACKWELL, 28, BASS
wünscht er wäre Bassist bei The White Stripes

CONOR HIRONS, 26, GITARRE
wünscht er wäre Johnny Marr’s Neffe

JACK WILLIAMS, 27, SCHLAGZEUG
wünscht er wäre Taylor Swift’s persönlicher Barkeeper

Eine Band, geboren aus gemeinsamen Interessen

Was führte dazu, dass eine Band namens The Howl & The Hum in ihren Tour-Bus steigt und die knapp 20-stündige Reise von York nach Zürich antritt? Wo beginnt die Geschichte? Junge Bands lernen sich an verschiedensten Orten kennen. Einige gehen zusammen zur Schule, andere nehmen an Talent-Wettbewerben teil oder werden gecastet. Aber The Howl & The Hum fand auf die natürlichste Weise überhaupt zueinander:

Tinder – Nein, wir haben uns in Pubs, Bars und Clubs in York kennengelernt. Wir spielten damals in verschiedenen Gruppen oder solo an Open-Mic-Nächten in der Stadt. Nachdem wir gemeinsame Vorlieben für Bier, Tabak und der Musik des jeweils anderen entdeckten, haben wir auch begonnen eine gemeinsame Philosophie zu teilen. Nämlich den Song an erste Stelle zu setzen und keine irrelevanten Elemente darin zu lassen. 

The Howl & The Hum

Photo: © Drew Coleman

Sie fürchten weder Regen noch Dunkelheit: The Howl & The Hum

Wenn man von der Band auf der Bühne begeistert ist, sucht man natürlich nach der bereits veröffentlichten Musik. Man findet einige Songs auf den Streaming-Plattformen und auf YouTube, aber nicht alle auf live vorgetragenen Tracks sind verfügbar. Physisch haben The Howl & The Hum bisher eine EP auf CD namens Godmanchester Chinese Bridge sowie eine 7″ Vinyl-Single namens Portrait I veröffentlicht. Diese enthält als B-Seite ein Cover des Bee-Gees-Songs To Love Sombebody. Online finden sich einige weitere interessante Stücke wie I Wish I Was A Shark oder Don’t Shoot The Storm. Aber wo ist der Rest der Live-Tracks? Werden diese in naher Zukunft ebenfalls verfügbar sein?

Ja. Wir arbeiten an unserem ersten Album. Die ersten Songs sind fast fertig und das komplette Album wird Anfang 2020 erscheinen. Wir werden aber auf jeden Fall bereits vorher neue Musik rausbringen. Wir sind jetzt in der dankbaren Situation, in der wir entscheiden können, welche Songs wir aufs Album packen möchten, anstatt uns an einen Zeitplan zu halten und den schnellstmöglichen Release erzwingen zu müssen.

Letztes Jahr war die Band im Line-Up des bekannten The Great Escape in Brighton. 2019 werden die Jungs aus York wieder zum Festival zurückkehren, das jährlich Bands präsentiert, welche man im Auge behalten sollte. Wer ist verantwortlich, dass solche Gigs zustande kommen?

Unser Booking-Agent ermöglicht uns einige unglaublichen Möglichkeiten und unser Label gibt sich Mühe, nette Worte über uns zu verbreiten. Die Spotify-Playlisten helfen uns zusätzlich ein grösseres Publikum zu erreichen. Wir werden also in viele Richtungen gepusht. Und je mehr Ärsche wir küssen, desto besser werden unsere Slots. Aber (ich weiss das klingt kitschig) die Fans sind diejenigen, die uns am Leben erhalten. Wegen ihnen machen wir immer weiter das, was wir tun.

Je vielfältiger die Inspirationen, desto einzigartiger der Sound.

Ob es Online-Dienste wie Twitter sind oder die Weltpolitik, The Howl & The Hum nutzen viele verschiedene Inspirations-Quellen. Auch wenn es um den musikalischen Einfluss geht, möchte sich die Band nicht nur auf ein Genre fokussieren. Das könnte einer der Gründe sein, weshalb sie so klingen, wie sie klingen.

Wir beziehen Einflüsse von überall – von Hip-Hop bis Country-Musik. Unser Schreibprozess verändert sich, je nachdem was wir gerade hören. Manchmal versuche ich bei einem Song Joy Division nachzueifern und am Ende klingt es nach einem Rhythmus von Snoop Dogg und dem Gesang von ABBA. Wir halten alles so reduziert wie möglich, damit nur ein wenig Fett am Song bleibt. Dann versuchen wir die Atmosphäre der Songtexte einzufangen oder passen diese an, um den Song in eine andere Richtung zu lenken. Im Moment hören wir viel New Order, Miya Folick, Big Thief oder Young Fathers. Aber ich bin mir sicher, dass es nächste Woche wieder in eine ganz andere Richtung gehen wird. Dann befinden wir uns vielleicht wieder einer schwedischen Death-Metal-Phase.

Die Stimme von Sam Griffiths ist gleichzeitig wild und sanft.

Eine leidenschaftliche Stimme, entstanden aus Zurückweisung und Scham.

Sobald Sam Griffiths seinen Mund öffnet, entsteht Magie. Seine Stimme kann die Zuhörer in eine Traumwelt entführen oder Wände einreissen. Sie hat sowohl die Kraft ein Stadion zu füllen, als auch für intime Stimmung in einem kleinen Raum zu sorgen. Wie entsteht eine solche Stimme? Kam diese ganz natürlich zum Vorschein oder steckt hartes Training mit einem Gesangs-Coach dahinter?

Nein. Mir war es für Jahre nicht erlaubt, bei uns im Schulchor zu singen. Als ich dann endlich dabei war, durfte ich keine Solos singen oder höchstens mal eine Note. Ich hatte also das Gefühl, etwas beweisen zu müssen. Auch als ich alsTeenager in Bands war, war ich nie der Sänger. Als sich also endlich die Möglichkeit anbot, kam mein Wunsch danach von einem leidenschaftlichen Ort. Einem dunkeln, leidenschaftlichen Ort, voller Zurückweisung und Scham. 

Die Tage der Zurückweisung gehören der Vergangenheit an. Sicherlich würde kein Schulchor einem Sam Griffiths noch ein Solo verwehren. Der Pfad von The Howl & The Hum liegt bereit und sie beginnen ihn Schritt für Schritt zu begehen. Es gibt noch einige Berge zu erklimmen, aber sie haben definitiv die Fähigkeiten, den Gipfel zu erreichen.

Photo: © Andy Little

Sam Griffiths went a long way to become a singer.

Weitere Informationen und die Links zu sämtlicher Musik von The Howl & The Hum gibt es hier: thehowlandthehum.com

Oh, it’s been killing me all this time
That we should have ever discovered
Feel like I’ve wasted all my life
Cause I could never grow feathers, no
For youPortrait I, The Howl & The Hum